Klaus D. Patzwall: Die Schwinge zur Uniform der Bundeswehr

dieser Beitrag ist im Jg. 2003, Heft 6, November-Dezember, S. 199
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Kürzlich publizierte „Das Magazin für Sammler und Forscher“i einen ordenskundlichen (?) Beitrag über einen unvollständigen Nachlass. Die wenigen biographischen Fakten und Abbildungen dokumentieren flüchtig den militärischen Werdegang eines Soldaten von 1939 zur Bundeswehr. Zigtausende ähnlich verlaufende Schicksale gab es, und es stellt sich die Frage nach der berichtenswerten informativen Besonderheit aus diesem Soldatenleben. Antwort: Es gibt sie nicht.

Als Auffälligkeit bleibt eine Abbildungii, auf die der Autor mit keinem Wort eingeht. Weder eine Auszeichnung noch ein Abzeichen mit der Bezeichnung „Schwinge zur Uniform der Bundeswehr“ hat es jemals gegeben. Das abgebildete Abzeichen in Schwingenform, allerdings nur in gestickter Ausführung und mit kleinerer Schwingenbreite wie abgebildet, wurde am 4. Mai 1957 als „Tätigkeitsabzeichen für das fliegende Personal“ von Luftwaffe, Heer und Marine bei der Bundeswehr eingeführt.iii Es wäre unbedingt der Hinweis angebracht gewesen, dass es sich bei der Metallausführung um keine offizielle Ausführung handelt.1966 erfolgte eine Modifizierung des Tätigkeitsabzeichens.

Auf dem gleichen Niveau bewegt sich der Verfasser mit der Anwendung der Bezeichnung „Feldspange“iv. Gleich viermal wendet er sie in seinem Beitrag auf die Bandschnalle der Bundeswehr an. Doch seit der ersten „Anzugordnung für die Soldaten der Bundeswehr“v gibt es nur die Bezeichnung Bandschnalle für die Darstellung tragbarer Auszeichnungen, die bis 1945vi als „Kleine Ordensschnalle“ bezeichnet wurde. Natürlich wird der Terminus Bandschnalle heute auch bei der Polizei angewendet.vii Es ist nicht gelungen eine deutsche Bekleidungsvorschrift von 1900 bis heute ausfindig zu machen, die die Feldspange kennt. Warum muss ein von Flohmarktbesuchern geprägter Ausdruck Eingang in die Fachpresse finden?

Es verwundert schon, dass in einem Fachmagazin Beitrage von Autoren abgedruckt werden, die sich einer solch saloppen Fachsprache bedienen und ein mangelhaftes Geschichtswissen haben. Oder handelt es sich auch hier um eine bislang unerkannte Bearbeitung durch den Redakteur?viii Denn im OuE Nr. 27, S. 44, bediente sich letzterer ebenfalls solch schlampiger Ausdrucksweise. Im gleichen Heft findet sich ein weiterer Beleg für seine lieblose Arbeitsweise, in dem ein Interimsblock mit Bandschnallen auf dem Kopf stehend abgebildet wirdix.

 

Quellen/Literatur

i Rainer Keilbach: Drei Vereidigungen. In: Orden und Ehrenzeichen (OuE), Nr. 26, S. 10-12

ii a.a.O., S. 12, beschrieben als „Schwinge zur Uniform der Luftwaffe der Bundeswehr“.

iii Jörg-M. Hormann: Die Bundeswehr und ihre Uniformen, Friedberg 1987, S. 76 und 132.

iv Bereits im OuE Nr. 19, S. 30-31, verwendete Keilbach den nichtfachlichen Begriff bei der Beschreibung von einem „kleinen Nachlass“. Auch dort glänzte er in der Erläuterung eines Ausweises durch Unwissenheit. Eine Durchsicht z. B. vom „Wehrmacht-Verordnungsblatt“, die Nr. 1 vom 1. Jg. erschien am 1. Juli 1945 (!), hätte ihn vor solch peinlichen Einschätzungen bewahrt.

v ZDv 37/10 – Anzugordnung für die Soldaten der Bundeswehr; verschiedene Ausgaben seit 1955. Vgl. auch den entsprechenden Versorgungsartikelkatalog, herausgegeben vom Materialamt der Bundeswehr.

vi Sowohl das Heer mit der H.Dv. 122 – Anzugordnung, als auch die anderen Wehrmachtteile kannten ebenfalls keine Feldspange.

vii Bestimmungen über die Trageweise von Orden und Ehrenzeichen zur Dienstkleidung der Polizeivollzugsbeamten des Bundes und der Verwaltungsbeamten beim Bundesgrenzschutz, in: Handbuch für den Bundesgrenzschutz, Bad Nauheim. Auch alle aktuellen Ordenshandbücher kennen die Keilbach-Definition nicht.

viii Vgl.: Dr. Gerd Scharfenberg: Auf ein Wort, OuE, Heft 19, 2002, S. 1: „… jedwede redaktionelle Bearbeitung von Manuskripten durch den bisherigen [und jetzigen] Redakteur erfolgte in der Absicht, sie dem fachlichen und sprachlichen Niveau unserer Vereinszeitschrift anzupassen.“ (Unterstreichung vom Autor).

ix Vgl.: Ernst Walter: Auktionen-Vorschau. In: OuE, Nr. 27, S. 48.

 

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