Gleichgültigkeit oder mangelndes Fachwissen?

Zum  Wahrheitsgehalt in phaleristischen Veröffentlichungen

Es geht in diesem kleinen Beitrag nicht um eine generelle Antwort auf die gestellte Frage, vor allem durch das Internet ausgelöst, die eine ausführliche Beantwortung verdient. Anlass ist eine sachlich falsche Behauptung im „Internationalen Militaria-Magazin“ (IMM), die bereits 1989[1] Gegenstand der Berichterstattung in MILITARIA war.

Noch 23 Jahre später werden die falschen Informationen vom IMM wiederholt, ja es werden sogar noch Unrichtigkeiten hinzugefügt. So schreibt in Nr. 153 Uwe Lautenschläger in einem Beitrag über die „Ehrenblattspange des Heeres“: Das Ehrenblatt des Heeres wurde im Jahr 1941 geschaffen und erstmals im Januar 1941 mit 27 Namensnennungen als Beilage zum Teil C des Heeresverordnungsblattes veröffentlicht.[2] Dieser kurze Satz beinhaltet gleich 3 Fehler, denn

  1. Die erste Ausgabe vom Ehrenblatt des Heeres war eine Beilage zum Teil B.[3]
  2. Erst ab ihrer zweiten Ausgabe waren die Ehrenblätter Bestandteil vom Teil C.[4]
  3. Nicht im Januar, sondern erst in der Ausgabe vom 28. Juli 1941 findet man erstmals ein Ehrenblatt des Heeres.[5]

Im IMM Nr. 153 befindet sich vom gleichen Autor ein weiterer Beitrag mit dem Titel „Primärquellen der Phaleristik“, in dem er ausschließlich Periodika des Heeres von Reichswehr und Wehrmacht vorstellt und damit zu erkennen gibt, Sekundär- von Primärquellen im Sinne der Geschichtswissenschaft nicht unterscheiden zu können. Jetzt, mit genauer Tagesangabe, wird das Ehrenblatt nochmals thematisiert: Am 22. Januar 1941 wurde erstmals als Beilage zum Teil C des Heeres-Verordnungsblattes … veröffentlicht.[6] In Wahrheit gibt es keine Ausgabe vom Heeres-Verordnungsblatt Teil C mit diesem Datum (sic!) und folglich auch keine entsprechende Ehrenblatt-Beilage.[7]

Der IMM-Bericht ist gekennzeichnet von den Faksimile-Wiedergaben einiger Seiten und vieler Artikelschnippsel aus dem Heeresverordnungsblatt. Offensichtlich soll der Eindruck von gründlicher Quellenkenntnis erzeugt werden. Und ob diese Texte die adressierten Sammler erreichen, erscheint zweifelhaft. Bekanntlich können die wenigsten der „Generation Doof“ Frakturschrift lesen.[8] Auffällig ist, die mehrfach erwähnte tatsächlich erste Ehrentafel wird in beiden IMM-Artikeln nicht abgebildet.[9], [10]


1 Klaus D. Patzwall: Die Ehrenblattspange des Heeres. Ein Nachtrag. In: MILITARIA, (12) 15.9.1989, Heft 5, S. 10

2 Internationales Militaria-Magazin, Nr. 153, Januar / Februar 2012, S. 12

3 Heeres-Verordnungsblatt, Teil B, (23) 28.7.1941, Blatt 13

4 Vgl. Anmerkung 1

5 Jörg M. Hormann: Die Ehrenblattspangen der Wehrmachtteile (= 2, Münchner ordenskundliche Studien), Hannover o. J. (ca. 1985)

6 IMM, Nr. 153, Januar / Februar 2012, S. 38. Uwe Lautenschlägers Text enthält eine Reihe von Falschinformationen, wie z. B. der Jahrgang 1943 [umfasst] noch 636 Seiten, doch tatsächlich waren es über eintausend Seiten. Seit dem Jahr 1919 wurde vom Oberkommando des Heeres (OKH) das „Heeresverordnungsblatt“ (HVOBl) [die amtliche Abkürzung lautete HVBl.] herausgegeben. Doch das OKH existierte erst seit März 1935

7 Bereits bei Hormann (Anm. 5) und bei Horst Scheibert: Die Träger der Ehrenblattspange, usw., Friedberg 1986, ist nachgewiesen, dass eine Veröffentlichung im Ehrenblatt erst durch die Verfügung Nr. 2310/41 vom 15.7.1941 möglich war.

8 Stefan Bonner / Anne Weiss: Generation Doof. Wie blöd sind wir eigentlich?, Bergisch Gladbach 2008. – 1941 befahl Reichskanzler Hitler die Ersetzung der bisher weitgehend benutzten Schriftart Fraktur, weil angeblich jüdischer Herkunft, durch die „Times“ (Normalschrift). Von U. Lautenschläger als moderne Schrift betitelt, war sie schon hundert Jahre zuvor nicht selten.

9 Der Beitrag in MILITARIA von 1989 enthielt als Faksimile die erste Ausgabe des Ehrenblatts. Ein Vierteljahrhundert später gehörte die öffentlich gemachte Information noch nicht zum Fachwissen des IMM-Redakteurs.

10 Die Beschreibung des Layouts der Ehrenblätter für das Jahr 1941 durch das IMM, a.a.O., ist ebenfalls falsch. Sie wurden durch GFM v. Brauchitsch und nicht von Hitler unterzeichnet.

11 Klaus D. Patzwall: Gleichgültigkeit oder mangelndes Fachwissen? Zum Wahrheitsgehalt in phaleristischen Veröffentlichungen. In: MILITARIA, (35) August 2012, Heft 4, S. 124-125

Seite 2 vom ersten publizierten Ehrenblatt des Heeres

Seite 2 vom ersten publizierten Ehrenblatt des Heeres

 

 

 

 

 

 

 

Besucherzähler Homepage

Dieser Beitrag wurde unter Auszeichnungen 1919/45, Auszeichnungen Heer abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar