v. Halàsz: Entwicklung und Produktion von Kampfmessern und Bajonetten in der DDR

Am 18. Januar 1956 wurde auf dem Territorium der DDR die Nationale Volksarmee (NVA) aufgestellt. Möglich wurde dies durch das Gesetz über die Schaffung der Nationalen Volksarmee und des Ministeriums für Nationale Verteidigung. Als Gründungstag wurde für die NVA der 1. März 1956 festgelegt. Dem vorausgegangen war der Beitritt der DDR am 14. Mai 1955 zum Militärbündnis des Warschauer Paktes.
Die anfänglich vorhandene Mischbewaffnung der NVA wurde ab Ende 1958 auf das moderne Kalaschnikowsystem mit dem dazugehörigen Seitengewehr M 1947 umgestellt.
Die ersten Waffenlieferungen kamen noch aus der Sowjetunion, wurden aber ab Ende 1959 durch beginnende Eigenproduktionen aus dem VEB Geräte- und Werkzeugbau in Wiesa ersetzt. Der VEB Ernst Thälmann Werk in Suhl war nur als Zulieferer von Waffenteilen tätig, da die entsprechenden Fachkräfte fehlten. Im Allgemeinen stellte die Fertigung von Waffen für die bewaffneten Organe der DDR die damit beauftragten Volkseigenen Betriebe vor große Probleme. Es fehlte in den Anfangsjahren der notwendige Maschinenpark, der entweder durch Angloamerikanische Bombenangriffe zerstört, oder aber als Reparationsleistungen in die Sowjetunion abtransportiert worden war.
Ähnlich sah es beim Fachpersonal aus, das entweder in die West-Sektoren Deutschlands geflohen war oder aber in die Sowjetunion zwangsverpflichtet wurde. Diese Probleme, gepaart mit fehlenden Devisen und ein quasi permanenter Rohstoff- und Materialmangel, erschwerten den Aufbau einer eigenständigen Waffenindustrie und zog sich als roter Faden bis zum Ende der DDR bzw. der Volkseigenen Betriebe hin. So wurden z. B. die Holzteile der in der DDR nach sowjetischen Patenten gefertigten Kalaschnikow nicht nur aus ökonomischen Gründen nach und nach durch Kunststoffteile ersetzt, sondern es bestand im Laufe der Zeit erheblicher Mangel an geeignetem Holz dafür. Dieses musste, wie übrigens u.a. auch das Erdöl, beim großen sozialistischen Bruder für Devisen, die Preise orientierten sich am Weltmarkt, importiert werden. Da aber die DDR nur eine nichtkonvertierbare Inlandswährung besaß, bereitete dies den Organisatoren der zentralistisch organisierten Planwirtschaft stets und ständig erhebliche Sorgen. An Stelle von Devisen mussten so z.B. hochwertige Werkzeugmaschinen exportiert werden. Der hierdurch erzeugte Mangel musste dann durch nicht gleichwertige Werkzeugmaschinenimporte aus den „befreundeten Bruderländern“ ausgeglichen werden. Jedenfalls wurde es versucht. Auf Dauer entstand hierdurch ein Manko, das die Produktionskapazität und die Qualität der Produkte beeinträchtigte. Ein gutes Beispiel dafür sind die verschiedenen Ausführungen des Kampfmessers M 1966. Der Kunststoffgriff der zuerst eingeführten Variante, siehe DK Nr. 199, zerbarst oft bei geringen Belastungen.
Nachdem diese Schwierigkeit durch den Einfallsreichtum der Beteiligten und eine geringe Modifizierung am Griff gelöst war, siehe DK Nr. 200, stellte sich ein neues Problem ein. Die nun verwendeten Klingen-Stähle waren von minderer Qualität und somit brachen nun die Klingen bei geringen Belastungen ab. Das gleiche Problem war auch bei dem Kalaschnikow-Bajonett M 1959 aus DDR-Produktion zu beobachten. Ehe dieser Mangel durch die Bereitstellung entsprechender Devisen durch das Ministerium für Außenhandel zum Import hochwertigen Stahls gelöst werden konnte, griff man auf die Bestände des in der DDR Nachgebauten Flieger-Kappmessers, siehe DK Nr. 198, zurück und rüstete vorübergehend die entsprechenden Spezialeinheiten damit aus. Als dieses Messer nun im VEB Messerschmiede Leegebruch hergestellt werden sollte, konnte der benötigte Federstahls erst nach Intervention des Ministeriums für Nationale Verteidigung Abhilfe geschaffen werden. Zwischenzeitlich waren im VEB Ernst Thälmann Suhl die Probleme am M 1966 beseitigt worden. Das jetzt wiederum geringfügig modifizierte Kampfmesser, siehe DK Nr. 201, erfüllte alle Erwartungen und wurde erst mit Ende der DDR bzw. NVA ausgemustert.
Da in der NVA alle Entwicklungstendenzen beim Klassenfeind mit Argusaugen beobachtet wurden, realisierte man auch den Trend bei der Entwicklung hin zu universell einsetzbaren Survivalmessern. Um nicht ins Hintertreffen zu geraten und auch um die Doppelbewaffnung der Spezialeinheiten mit Kampfmesser M 1966 sowie Kalaschnikowbajonett M 1974 bzw. M 1959 II zu beenden, erteilte Generaloberst Stechbarth, Chef der NVA-Landstreitkräfte, 1985 den Befehl zur Entwicklung eines NVA-Eignen, neuen Universalkampfmessers. Nach entsprechenden Beratungen im DDR-Wirtschaftsrat erging der Auftrag für Planung und Entwicklung an den VEB Jagd- und Schneidwaren Mühlhausen. Dort hatte man Erfahrung bei der Planung und Entwicklung der Offiziersdolche für die einzelnen Truppengattungen der NVA sammeln können. Das dortige Konstrukteurkollektiv warf sich voll Enthusiasmus auf diese Aufgabe. Es orientierte sich beim Entwurf an dem Kalaschnikow-Bajonett M 1974 und übernahm einige prinzipielle Merkmale, um eine schnelle und kostengünstige Serienfertigung zu ermöglichen. Die eigentlichen Entwicklungsarbeiten begannen im März 1988 und konnten schon nach nur fünf Monaten im Juli 1988 mit der Ablieferung von fünf Prototypen abgeschlossen werden. Diese fünf Exemplare wurden durch das Ministerium für Nationale Verteidigung begutachtet und genehmigt. Danach ging es in die Serienherstellung. Die Scheide wurde in Kooperation vom VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk Suhl hergestellt und entspricht in den Abmessungen und der Materialgüte denen der Kalaschnikowbajonette M 1959 II bzw. M 1979 und M 1974.
Abweichend von den zuvor genannten Modellen besteht hier die Koppel- und Griffschlaufe aus angenietetem PAS (grau) 30 x 2,5 mm. Wer nun aber vorhandene Realien miteinander vergleicht kann feststellen, dass es KM 87 mit verschiedenen Webmaterialien gibt. Bedingt durch Lieferengpässe wurden nicht nur die vorgeschriebenen PAS -Materialien verwendet, sondern auch solche aus grauem Baumwollgewebe, sowie auch beide Materialien miteinander vermischt verwendet.
Das dabei entstandene Kampfmesser M 87, siehe DK Nr. 203, erreichte Weltniveau und war die letzte eigenständige Waffenentwicklung der DDR.

E-Mail: kampfmesser@grabendolch.de

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