Die große Ordensschnalle eines „tapferen Polizisten“?

In O+E Nr. 108 wurde der werten Sammlerschaft eine sehr außergewöhnliche Ordensschnalle, die in ihrer Zusammenstellung vermutlich einmalig sein dürfte, vorgestellt.
Nach Meinung des Autors ist sie insofern sehr interessant, weil sie sowohl zivile als auch militärische Auszeichnung vereint. Diese Feststellung ist zweifelhaft. Derartige Zusammenstellungen sind die Regel, wie leicht einschlägigen Veröffentlichungen zu entnehmen ist und auch die im Handel offerierten Spangen belegen.
Als sehr mutig muss die Behauptung eingeschätzt werden, dass die eher seltene Zusammenstellung den polizeilichen bzw. militärischen Werdegang des ehemaligen Trägers relativ klar nachvollziehbar macht.
Dass auf einer halben Druckseite allein fünfmal „dürfte“ (… belegt sein) einer Begründung vorangestellt wird, ist in seiner Aussagekraft so dürftig wie die zitierten Literaturauszüge.

Zur korrekten Zuordnung ist nicht berücksichtigt:
Die Polizei-Dienstauszeichnung ist für Gerhard R. Skora der Beleg, dass der Inhaber bereits vor 1939 und bis zum Kriegsende Polizist war. Mit Polizist ist in der Schnallen-Zuordnung sicherlich ein Angehöriger der uniformierten Ordnungspolizei (ORPO) gemeint. Wie kann aber  eine 1939 erfolgte Verleihung seine Verwendung in den folgenden fünf Jahren belegen?

  1. Was, wenn der Polizist bei Kriegsbeginn zum Heer und dort zur Feldgendarmerie kam?
  2. Dem Autor ist offensichtlich völlig unbekannt, dass die Polizei-DAZ auch für Beamte der Kripo, Geheimen Staatspolizei (Sipo) und den SD bestimmt war. Somit war es möglich, dass der Schnallenbesitzer niemals eine Polizei-Uniform getragen hat.
  3. Ob Beamter der Gestapo oder ORPO, beide konnten die „Anschlussmedaille“ erhalten.
  4. Die Aussagen zum KVK, Ostmedaille und EK unterschlagen die Möglichkeit, dass wenn der Beamte einer Einsatzgruppe der Sipo (Judenvernichtung) im Osten oder der Geheimen Feldpolizei angehörte, ebenfalls alle drei Ehrenzeichen hätte bekommen können.
  5. Eine weitere Möglichkeit erschließt sich gemäß Führerentscheid vom 24.11.1942. Danach konnte das KVK mit Schwertern auch für die Aufrollung und Bekämpfung von Staatsfeinden … im Reichsgebiet … verliehen werden. Selbst die Verleihung vom EK an die Sipo anlässlich von Luftangriffen im Reichsgebiet war möglich (Befehl Reichsführer-SS vom Oktober 1943).
  6. Mit der Einschätzung, die Schnalle wurde qualitativ sehr hochwertig gefertigt, wird die Vorschrift über die Reihenfolge auf das Gröbste missachtet und sie ist somit handwerklich unterste Kategorie. Es war nie erlaubt, ja sogar ausdrücklich untersagt, das KVK mit und ohne Schwerter zusammen an einer Ordensschnalle zu tragen. (U. a. bei „Doehle“ erwähnt, im Literaturverzeichnis gelistet). Die Zweifel werden durch einen Erlass vom 16. September 1941 verstärkt, wonach Ordensschnallen nur von Firmen produziert oder gehandelt werden durften, die hierzu eine Genehmigung der LDO oder Präsidialkanzlei besaßen. Es erscheint in höchstem Maße zweifelhaft, dass konzessionierte Firmen aus Unwissenheit oder auf Kundenwunsch die Bestimmungen unbeachtet ließen. Einige Merkmale lassen weitere Zweifel an der zeitgenössischen Originalität aufkommen.

Die  Zuordnungen von Gerhard R. Skora können zutreffen, genauso wie die hier ergänzend aufgeführten Bestimmungen. Die von ihm selektierten Fakten suggerieren einen Träger, der durch die Schnalle nicht beweisbar ist. Also, statt „tapferer Polizist“ als Schlussfolgerung wäre auch „uniformierter Mörder“ möglich.

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