Die große Ordensschnalle eines „tapferen Polizisten“?

In einem Artikel von O+E wurde eine sehr außergewöhnliche Ordensschnalle, die in ihrer Zusammenstellung vermutlich einmalig sein dürfte, vorgestellt.
Nach Meinung des Autors ist sie insofern sehr interessant, weil sie sowohl zivile als auch militärische Auszeichnung vereint. Diese Feststellung ist zweifelhaft. Derartige Zusammenstellungen sind die Regel, wie leicht zu beweisen ist.
Als sehr zweifelhaft muss die Behauptung eingeschätzt werden, dass die eher seltene Zusammenstellung den polizeilichen bzw. militärischen Werdegang des ehemaligen Trägers nachvollziehbar macht.

Die Polizei-Dienstauszeichnung ist für den Autor Gerhard R. Skora der Beleg, dass der Inhaber bereits vor 1939 und bis zum Kriegsende Polizist war. Mit Polizist ist in der Schnallen-Zuordnung sicherlich ein Angehöriger der uniformierten Ordnungspolizei (ORPO) gemeint. Es stellt sich die Frage, wie kann eine 1939 erfolgte Verleihung seine Verwendung in den folgenden fünf Jahren belegen?
In der Zuordnung ist nicht berücksichtigt:

  1. Was, wenn der Polizist bei Kriegsbeginn zum Heer und dort zur Feldgendarmerie kam?
  2. Dem Autor ist offensichtlich völlig unbekannt, dass die Polizei-DAZ auch für Beamte der Kripo, Geheimen Staatspolizei (Sipo) und den SD bestimmt war. Somit war es möglich, dass der Schnallenbesitzer niemals eine Polizei-Uniform getragen hat.
  3. Ob Beamter der Gestapo oder ORPO, beide konnten die „Anschlussmedaille“ erhalten.
  4. Die Aussagen zum KVK, Ostmedaille und EK unterschlagen die Möglichkeit, dass wenn der Beamte einer Einsatzgruppe der Sipo (Judenvernichtung) im Osten oder der Geheimen Feldpolizei angehörte, ebenfalls alle drei Ehrenzeichen hätte bekommen können.
  5. Eine weitere Möglichkeit erschließt sich gemäß Führerentscheid vom 24.11.1942. Danach konnte das KVK mit Schwertern auch für die Aufrollung und Bekämpfung von Staatsfeinden … im Reichsgebiet … verliehen werden. Selbst die Verleihung vom EK an die Sipo anlässlich von Luftangriffen im Reichsgebiet war möglich (Befehl Reichsführer-SS vom Oktober 1943).
  6. Mit der Einschätzung, die Schnalle wurde qualitativ sehr hochwertig gefertigt, wird die Vorschrift über die Reihenfolge auf das Gröbste missachtet und sie ist somit handwerklich unterste Kategorie. Es war nie erlaubt, ja sogar ausdrücklich untersagt, das KVK mit und ohne Schwerter zusammen an einer Ordensschnalle zu tragen. (U. a. bei „Doehle“ erwähnt, im Literaturverzeichnis gelistet). Die Zweifel werden durch einen Erlass vom 16. September 1941 verstärkt, wonach Ordensschnallen nur von Firmen produziert oder gehandelt werden durften, die hierzu eine Genehmigung der LDO oder Präsidialkanzlei besaßen. Es erscheint in höchstem Maße zweifelhaft, dass konzessionierte Firmen aus Unwissenheit oder auf Kundenwunsch die Bestimmungen unbeachtet ließen. Einige Merkmale lassen weitere Zweifel an der zeitgenössischen Originalität aufkommen.

Dürftig und bezeichnend ist sein Literaturverzeichnis. Die Schnallenzusammenstellung von Polizei-DAZ und militärischen Auszeichnungen hätten zur allergrößten Vorsicht in ihrer  Einschätzung veranlassen müssen. Leider sind etliche ORPO-Einheiten unter dem Deckmantel der Bandenkämpfung zur Vernichtung von Juden zum Einsatz gekommen. Beispielhaft sei das Massaker in der Stadt Białystok genannt, bei dem etwa 2.000 Menschen zu Tode kamen. Von dem verantwortlichen Polizeibataillon 309 erhielten Offiziere für diesen Einsatz bereits am 11. Juli 1941 das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Der HSSuPF Russland Mitte sandte ein Glückwunschtelegramm, in dem es heißt: … stolz darauf zu sein, dass diese tapferen Offiziere und Männer zur deutschen Polizei gehören. (Im HStAD, Ger.Rep. 247/67 befindet sich ein Fotoalbum mit Aufnahmen von der Verleihung). Es ist zu hoffen, dass die Nichterwähnung solcher Verleihungsgründe der Unkenntnis des Autors geschuldet und keine Absicht ist.

Die  Zuordnungen von Gerhard R. Skora können zutreffen, genauso wie die hier ergänzend aufgeführten Bestimmungen. Die von ihm selektierten Fakten suggerieren einen Träger, der durch die Schnalle nicht beweisbar ist. Also, statt „tapferer Polizist“ als Schlussfolgerung wäre auch „uniformierter Mörder“ möglich.

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