Der Wissensstand von gestern als Information von heute

Einen interessanten internationalen Überblick von Kriegsdenkmünzen hat K. P. Christian Spath veröffentlicht.[1] Berücksichtigt werden nicht nur Ehrenzeichen im wörtlichen Sinne, also in Medaillenform, sondern alle tragbaren Kriegs-Erinnerungszeichen in europäischen Armeen.

Die offiziell nicht gestiftete Kriegsdenkmünze 1939. Links die Ausführung für Nicht-Kämpfer (Eisen, matt bronziert) und rechts für Frontkämpfer (Eisen, matt brüniert).

Er schreibt u. a. über eine projektierte Medaille für die Siege über Polen und Frankreich, und dass Hitler sich dagegen sperrte, bereits während des Krieges eine KDM für die Kämpfe gegen die bereits niedergeworfenen Länder zu stiften.[2] Seine nur bedingt richtige Aussage stützt sich auf das populäre und unzuverlässige Buch von Angolia.[3] Die von jungen Autoren immer gern zitierte Zeitschrift „Uniformen-Markt“ berichtete am 15. August 1940 hierzu, daß bekanntlich nach dem Kriege eine Kriegsdenkmünze für alle Kriegsteilnehmer geschaffen wird.[4] Es ging nicht um eine „projektierte Medaille für die Siege über Polen und Frankreich“, sondern um den bereits wenige Wochen nach Kriegsbeginn festgelegten Beschluss zur Stiftung einer Kriegsdenkmünze. Bereits am 17. November 1939  verkündete der Oberbefehlshaber des Heeres: Zum Abschluß des Krieges wird die Stiftung eines Ehrenzeichens vorgesehen werden, das alle Kriegsteilnehmer erhalten können.[5] Wenig später präzisiert: Es werden im Heere verliehen: h) eine Kriegsdenkmünze (Verleihung nach Kriegsende …). Eine ausführliche Darstellung über die Kriegsdenkmünze 1939 brachte MILITARIA bereits 1997 und blieb vermutlich nicht zufällig unerwähnt.[6] In beiden Zeitschriftenartikeln von Chr. Spath wird für das Ärmelband „Kreta“ ein falsches Stiftungsdatum genannt. Es fällt nicht nur in diesem Artikel der lasche Umgang mit Fachtermini auf, obwohl im Nebenberuf ordenskundlicher Redakteur. So z. B. mit der wechselweisen falschen Verwendung von „Ordensschnalle“ und „Ordensspange“, obwohl letztere im Reichsheer, der Wehrmacht, Polizei und der Bundeswehr unbekannt ist und vor allem in den Internetforen ein Zuhause hat.

 

 


[1] Kriegsdenkmünzen und ihre Gefechtsspangen – Ein Überblick. Teil 1 und 2, in: Zeitschrift für Heereskunde, Nr. 435, Nr. 436 April/Juni 2010. Fast wortgleich abgedruckt in: Orden und Ehrenzeichen, Jahrbuch 2014, S. 29-42

 

[2] Chr. Spath, in: ZFH. Nr. 436, S. 75; OuE.-Jahrbuch 2014, S. 40

 

[3] Angolia, John R.: For Führer und Fatherland, USA 1976, S. 72-73

 

[4] Uniformen-Markt, Nr. 16, Berlin 15.8.1940

 

[5] Abgedruckt in Hanns Dombrowski: Orden, Ehrenzeichen und Titel des nationalsozialistischen Deutschlands, Berlin 1940; Neuauflage 1979 im Verlag Klaus D. Patzwall, Hamburg 1979, S. 169

 

[6] Patzwall, Klaus D.: Die angebliche „Medaille zur Erinnerung an den Krieg 1939-1940“, in: MILITARIA (20) Februar 1997, Heft 1, S. 4-5

 

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