Der Standartenträger der Legion Condor

Seit einigen Stunden befindet sich in mindestens zwei Sammlerforen ein wortgleicher Beitrag zu einer bekannten, aber seltenen Bronzefigur. Das 26,5 bzw. 39 cm hohe Kunstwerk stellt den Standartenträger der Legion Condor dar.
Es verwundert darin die Tatsachenbehauptung: „Die Standartenfigur wurde als Ehrengeschenk an verdiente Legionäre gegeben.“ Unter Ehrengeschenk versteht man gemeinhin eine Gabe von Behörden, Dienststellen oder hohen Funktionsträgern als Ehrung in Fällen, für die es keine tragbare Auszeichnung gibt, oder sehr persönlicher Natur ist. Es ist meist ein Unikat, oder mit einer Widmung versehen. Diese Voraussetzungen sind hier nicht gegeben. Ein Beweis für die Behauptung wird nicht erbracht und ist bisher auch anderweitig nicht bekannt.
Die Figur galt eine Zeit lang als Fantasieprodukt der Legion Condor, lautet eine Einschätzung. Wie soll in den wenigen Wochen zwischen Überreichung der Standarte und Auflösung des Verbandes eine Herstellung nach dieser Vorlage erfolgt sein? Grotesk ist die Begründung, weil sie schon in einigen Englischsprachigen Büchern zu sehen ist. Damit lässt sich auch das Gegenteil begründen. Diese unsachliche Bemerkung sagt letztendlich nichts darüber aus, ob es die Figur(en) zeitgenössisch gegeben hat und was ihr Sinn war.
Nun kommt das Interessante, ein Übersendungsschreiben für die Figur vom Major Bartholdy, heißt es zum Schluss. Es ist das seltsamste Übersendungsschreiben für ein Ehrengeschenk, das ich je gesehen habe. Es ist auch kein Schreiben, sondern ein vervielfältigter Vordruck, nicht einmal an den Empfänger des angeblichen Ehrengeschenks gerichtet, sondern an einen Verwandten. Dem LC-Spezialist ist es nicht in den Sinn gekommen, es könnte sich entsprechend der Gestaltung um einen Lieferschein handeln. „Unterschrieben“ hat ein Oskar Schacher, über den er herausgefunden haben will, dass er bei der Wehrmacht war und eine verwaltende Tätigkeit hatte. Dies wäre noch zu beweisen. Und weiter: Da er nur das Schreiben aufgesetzt hat, habe ich das nicht weiter verfolgt. Sonst wäre er u. U. darauf gekommen, dass Oskar Schacher Inhaber einer Metallgießerei  war. Er machte u. a. Werbung für seinen kunsthandwerklichen Sandguß in antiker Patina.

Ob es sich wohl jemand vorstellen kann, eine Gruppe von ehemaligen Legionären hätte sich zusammengefunden und zur Erinnerung an die Zeit in Spanien bei der renommierten Metallgießerei Oskar Schacher eine entsprechende Anzahl dieser künstlerischen Figuren in Auftrag gegeben? Und Major Bartholdy, im Berliner Luftgau-Kommando vor Ort, war Ansprechpartner der Fa. und regelte die Abwicklung?

Leider gibt es Zeitgenossen, die einen bewusst nicht verstehen wollen. Vorbeugend daher die  eindeutige Feststellung, zeitgenössische Bronzefiguren „Standartenträger der LC“ existieren. Sie waren Handelsware. Ob eine (mehrere) als Ehrengeschenk verwendet wurden kann ich weder bestätigen noch in Abrede stellen. Wer am Erwerb einer solchen Statue interessiert ist, den empfehle ich sich an die Hamburger Firma Helmut Weitze zu wenden, die z. Zt. eine solche Figur auch als Ehrengeschenk offeriert.LC-Standartenträger_w

Besucherzähler Homepage

Dieser Beitrag wurde unter Militärgeschichte 1919/45 abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar