Der preußische Luisen-Orden aus Gusseisen als Abfallprodukt der EK-Herstellung?

1967 publizierte der „Medal Collector“ einige Bilder aus einer 1939/40 erstellten Aufnahmereihe über das Eiserne Kreuz, die u. a. zum Herstellungsprozess des Eisernen Kreuzes von 1813 bedeutungsvoll sind.  Die Fotos entstanden in der Gleiwitzer Eisengießerei anlässlich einer Demonstration  des Sandgussverfahrens. In diesem Betrieb, auf diese Weise und in solchen Formen sind ja im 19. Jahrhundert die gusseisernen Kerne des Eisernen Kreuzes 1813 entstanden. Unter der Rubrik „Das Eiserne Kreuz“ brachte die Feldzeitung „Wacht im Südosten“ vom 19. November 1941 eine der Fotografien, die zeigt wie der Modelleur ein Kreuz aus der Sandform herausnimmt. Das gleiche Motiv im OMM 1982, Nr. 4, unter Verweis auf den Aufnahmezeitpunkt als „verspätete“ Fertigung von EK’s 1813 zur Diskussion gestellt, blieb ohne Echo.
In der sonstigen Ordensliteratur sind die beiden aussagekräftigen Bilder – soweit bekannt – nur von Harald Geißler: Das Eiserne Kreuz von 1813 bis heute (1. Auflage 1995, 2. (überarbeitete) Auflage 2012) verwendet worden. In der 1. Aufl., Seite 34, heißt es zu seiner Abb. 23: Neben dem Eisernen Kreuz ist noch die Form für den Luisenorden zu sehen. Zur Abb. 24, bei der die vier Gussteile in der Form eindeutig zu identifizieren sind, schreibt er: Nach erfolgreichem Guß wurde das Eiserne Kreuz aus der Form herausgehoben.
In der 2. Auflage befindet sich die ursprüngliche Abb. 23 jetzt auf Seite 50 und auf S. 49 die Abb. 24 (alt). Die Bildunterschriften wurden ausgetauscht, doch die Erläuterung beider Bilder entspricht weiterhin nicht den Tatsachen.
Die Bilder sind von so vorzüglicher Qualität, dass sie eine zweifelsfreie Bestimmung der vier Dekorationen im Formkasten zulassen. Es handelt sich um zwei Eiserne Kreuze 1813 und die eiserne Kriegsdenkmünze 1813/15 für Nichtkombattanten. Was Geisler daneben als „Luisenorden“  (sic!!) identifiziert hat, ist in Wirklichkeit ein Abzeichen für vaterländische Frauenhilfe. Die Tatsache, dass die fragliche Dekoration nicht die geringste Ähnlichkeit mit einem preußischen Orden hat, impliziert zusätzlich die Behauptung, dass in Preußen Orden aus Gusseisen produziert wurden.
Eine nicht zu übersehende Besonderheit beim EK wurde in den genannten Veröffentlichungen nicht thematisiert. Es ist der mitgegossene Eisenring. Die während der Befreiungskriege von der Berliner und Gleiwitzer Eisengießerei hergestellten EK-Kerne wiesen allesamt dieses Merkmal nicht auf. Natürlich nicht, denn die Öse für den Bandring wurde bekanntlich an den Silberrahmen gelötet. Auch hat der gegossene Eisenring für die Aufnahme des Bandes einen zu geringen Durchmesser und die üblichen Silberzargen nicht hätten verwendet werden können. Weder Harald Geißler noch ein Fachautor hat eine solche Dekoration bisher dokumentiert.

„Nach erfolgreichem Guß wurde das Eiserne Kreuz aus der Form herausgehoben“, erläutert H. Geißler diese Aufnahme (Abb. 23 der 2. Auflage). Tatsächlich hält der Former in seiner linken Hand das Modell eines abgewandelten EK 1813 (mitgegossene Öse). Neben dessen Abdruck liegt ein weiteres Kreuz und es sind die Abdrücke der Kriegsdenkmünze und eines Abzeichens (nicht Luisen-Orden!) im Formsand deutlich zu erkennen.

Bleibt noch eine Interpretation der im Bild erkennbaren Handlungsabläufe. Zur Verdeutlichung ist die Geißler-Abb. 24 (alt) hier als Auszugsvergrößerung zu sehen. Eindeutig wird kein EK nach erfolgreichem Guß aus der Form herausgehoben, wie Geißler schreibt, sondern in diesem Moment wird das EK-Modell („Mutterstück“) vom Former dem Formkasten entnommen. Dieser enthält den Formsand, in den das Modell zuvor gedrückt worden war. Deutlich sind die sogn. Gussbäume zu erkennen, durch die mehrere Teile gleichzeitig gegossen werden konnten.
Zur Fertigung des EK 1813 ist das Werk von Dr. Frank Wernitz: Das Eiserne Kreuz, Wien 2013, unübertroffen.  Es wird vor allem auf  S. 134 ff. verwiesen.

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