Das Deutsche Kreuz in Silber für Nicht-Kombattanten

Bekanntlich wurde das Deutsche Kreuz (DK) vom „Führer und Oberbefehlshaber der Wehrmacht“ als ein Wehrmachtsorden gestiftet, wobei die Ausführung in Silber für vielfache außergewöhnliche Verdienste in der militärischen Kriegführung verliehen werden sollte.
Doch die Kriegslage und die zunehmende Einbindung von Personen die weder der Wehrmacht oder  der Waffen-SS angehörten, in die direkte Kriegführung veranlasste Hitler zu einer Änderung der Stiftungsverordnung. Diese ermöglichte es, künftig auch Personen ohne Kombattantenstatus mit dem DK in Silber auszuzeichnen. Hierzu unterzeichnete er folgende Anordnung:

Der Führer
Führerhauptquartier, den 3. November 1944

Sonderanordnung zur Verordnung über die Stiftung des Deutschen Kreuzes vom 28. September 1941.
Um den kämpferisch verbundenen Einsatz von Volk und Wehrmacht im Höhepunkt unseres Ringens sichtbar anzuerkennen, werde ich künftig den Wehrmachtorden des Deutschen Kreuzes in Silber auch an Nichtwehrmachtangehörige für außergewöhnliche Verdienste um die unmittelbare Kriegführung verleihen.
Meine Entscheidung ist über den Chef des Oberkommandos der Wehrmacht einzuholen.
Der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht erläßt nach meinen Weisungen Durchführungsbestimmungen.
gez. Adolf Hitler

Hier erstmals im Wortlaut veröffentlicht, haben merkwürdiger Weise bisher alle  faleristischen Veröffentlichungen, mit Ausnahme Patzwall/Scherzer: Das Deutsche Kreuz 1941-1945, Band II, diese wichtige Bestimmung nicht erwähnt.
In den von Generalfeldmarschall Keitel, Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, unterzeichneten Durchführungsbestimmungen vom 3. 11. 1944 war – wie bisher – der Besitz des Kriegsverdienstkreuzes 1. Klasse Voraussetzung und nachfolgend vielfache, außergewöhnliche Verdienste.
Als Vorschlagsweg für die Verleihung des DK in Silber an Nichtwehrmachtsangehörige zur Entscheidung durch den Führer war festgelegt:
a) für Nichtwehrmachtangehörige, die im Bereich der Wehrmacht oder in unmittelbarem Auftrag der Wehrmacht eingesetzt sind: Dienstweg bis zu den Oberbefehlshabern der Wehrmachtteile,[1] von dort an den Chef des Oberkommandos der Wehrmacht (WZA) [Wehrmachts-Zentral-Abteilung];
b) für sonstige Nichtwehrmachtangehörige: Dienstweg bis zum Chef der Präsidialkanzlei, von da an das OKW/WZA; Dienstweg bis zum Leiter der Parteikanzlei, von da an das OKW/WZA; Dienstweg bis zum Reichsführer-SS, von da an das OKW/WZA; für Luftschutzverdienste über Reichsminister der Luftfahrt, von da an das OKW/WZA.

Mit dem Deutschen Kreuz in Silber sollten vor allem außergewöhnliche Verdienste im Zusammenhang mit dem Einsatz beim frontnahen Stellungsausbau an den bedrohten Gebieten und im Zusammenhang mit Luftschutz in besonders heimgesuchten Gebieten gewürdigt werden. Als ein Beispiel dafür soll exemplarisch ein auf der Sonderanordnung vom 3. November 1944 basierender Verleihungsfall vorgestellt werden. Am 18. Dezember 1944 richtete der Kärntner Gauleiter Rainer in seiner Eigenschaft als „Oberster Kommissar in der Operationszone Adriatisches Küstenland“ ein Fernschreiben an Reichsleiter Martin Bormann (Parteikanzlei), in dem er unter Berufung auf die Sonderanordnung für aussergewöhnliche Verdienste beim Stellungsbau den Höheren SS- und Polizeiführer in der Operationszone „Adriatisches Küstenland“ zum Deutschen Kreuz in Silber vorschlug:
Ich habe den Parteigenossen Globocnik nach Erhalt des Führerauftrages zum Stellungbau zu meinem allgemeinen Vertreter für die gesamte Organisation des Stellungbaues bestellt. Globocnik hat mit aussergewöhnlicher Tatkraft, grösstem politischen Geschick und einzigartigem Fleisse nach meinen Anweisungen die Organisation des Stellungbaues eingerichtet und seither entsprechend den vermehrten Anforderungen bis zu seiner jetzigen Höhe gesteigert. Er hat alle Schwierigkeiten mit der Wucht eines revolutionären Nationalsozialisten überwunden und hat unter allen meinen Mitarbeitern mit Abstand das höchste Verdienst an den bisherigen Leistungen. Der Einsatz erfolgt unter frontmässigen Bedingungen. Bei seinen vielen Bereisungen der frontnahen Stellungsbauräume ist Globocnik wiederholt nur mit knapper Not Tiefflieger- und Bombenangriffen entgangen. Er erfüllt seine Dienstgeschäfte auch im Hinblick auf die Bandenlage mit besonderem Mut und unter Hintenansetzen seiner eigenen Sicherheit. Die Leistung und der persönliche Anteil des Parteigenossen Globocnik am oberitalienischen Stellungsbau haben, wie ich wiederholt feststellen konnte, die uneingeschränkte Anerkennung des Oberbefehlshabers Südwest gefunden. Globocnik erfüllt neben seiner Funktion als mein allgemeiner und ständiger Vertreter im Stellungsbau auch die Aufgaben des Höheren SS- und Polizeiführers [HSSPF] und erbringt seither eine Arbeitsleistung, die jeden, der sie beobachtet, mit Bewunderung erfüllt. Seine Funktion im Stellungsbau erfüllt er im Rahmen des Parteieinsatzes, der heute rund 4.300 Politische Leiter umfasst, durch welche einheimische Arbeitskräfte von täglich rund 120.000 Köpfen mobilisiert sind.
Ich beantrage die Verleihung des Deutschen Kreuzes in Silber an den Parteigenossen Globocnik und bitte wenn möglich, das Verleihungsverfahren bis zum Jahresabschluss durchzuführen.
gez. Rainer

Odilo Globocnik war HSSPF, hatte aber gleichzeitig Funktionen in der NS-Gauleitung von Kärnten. Daher war es folgerichtig, wenn in diesem Fall nicht Himmler als sein SS-Vorgesetzter, sondern der Gauleiter ihn beim Leiter der Parteikanzlei zum DK in Silber vorschlug. Natürlich war das Verleihungsprocedere seit der Stiftung genau geregelt. Doch Überschneidungen von Zuständigkeiten und dadurch doppelte Verleihungsvorschläge für die gleiche Person bzw. Auszeichnung waren durchaus möglich und auch bei anderen Ehrenzeichen nicht ungewöhnlich, wie auch aus dem nachfolgenden Beispiel ersichtlich ist.  D. März bezeichnet solch einen unvollständig dokumentierten Fall in offensichtlicher Unkenntnis der Verleihungsabläufe  als den blühenden Byzantinismus des Dritten Reiches.[2] Seiner Aussage nach war der Militärverwaltungsvizechef Martin Matthiessen, immerhin im Rang eines Generalmajors (und Oberführer der SS), darauf aus einen hohen Orden des Dritten Reiches zu erhalten. Das DK in Silber sah er als einfache Möglichkeit an, da die Silberausführung fälschlicherweise als Zivilorden betrachtet wurde. Zur Zeit seines Versuchs an das Deutsche Kreuz in Silber zu kommen, war Matthiessen u. a. Abteilungsleiter im Reichskommissariat Ostland.[3] Für diese Dienststellung war vorschlagsberechtigt der Reichsminister für die besetzten Ostgebiete, Rosenberg, der seinen Vorschlag irrtümlich an die Präsidialkanzlei adressierte. Der Chef der Präsidialkanzlei, Dr. Meissner, reichte den Vorschlag an das zuständige OKW weiter, denn es handelte sich ja um einen Wehrmachtsangehörigen. Im Anschreiben bringt Dr. Meissner interessanterweise Bedenken gegen Verleihungen des DK in Silber an zivile Beamte und führende Männer der Wirtschaft vor. Fünf Wochen später ermöglichte die Sonderanordnung vom 3.11.1944 Verleihungen an diesen Personenkreis.
Die Verleihung erfolgte offensichtlich ohne weiteren Einfluss der Präsidialkanzlei, schreibt Maerz und gibt damit indirekt zu, die Durchführungsbestimmungen nicht zu kennen. Denn bis zur Sonderanordnung vom 3.11.1944 war die Präsidialkanzlei nie mit der Bearbeitung von Verleihungsvorgängen des DK  befasst. Er ortet den Schlüssel zur Verleihung im Fall Matthiessen bei Reichsmarschall Göring, weil dieser nachrichtlich über die Verleihung informiert wurde! Dies war jedoch zwingend notwendig, weil Matthiessen in einigen Fachbereichen dem Chef Wi Stab Ost und auch Göring als Beauftragter für den Vierjahresplan unterstand, bzw. auf Zusammenarbeit angewiesen war. Entsprechend hatte Reichsminister A. Rosenberg Dr. Meissner darüber informiert, dass sein  Vorschlag im Einvernehmen mit dem Chef Wi Stab Ost erfolgt, und der Beauftragte für den Vierjahresplan dem Vorschlag zugestimmt hat. Einen völlig vorschriftsmäßigen Verleihungsvorgang reduziert Maerz abschließend auf ein paar Telefongespräche zwischen Rosenberg und Göring und danach zwischen Göring und Keitel und Hitler, die er nicht beweisen kann und die mit Sicherheit nie geführt worden sind, aber angeblich die Verleihung auslösten.[4] Die Präsidialkanzlei wurde nicht involviert[5], noch nicht einmal die Ausgabe des Kreuzes wurde von dort vorgenommen.[6] Das war nicht nur in diesem Fall so, sondern bei allen fast 29.000 mit dem DK Beliehenen. Wer sich die Mühe macht und die Durchführungsbestimmungen zur VO über die Stiftung des DK vom 28.9.1941, § 1 (2) durchließt, der weiß, dass … das Oberkommando der Wehrmacht … die Zuteilung der Auszeichnungen herbeiführt[e].“[7] Nicht die Präsidialkanzlei.


[1] Maerz, Dietrich: Das Deutsche Kreuz, Richmond/USA 2010, S. 42, nennt sie die drei Heeresbereiche, einer ihrer Oberbefehlshaber war Großadmiral Räder (sic).
[2] a.a.O., S. 49
[3] a.a.O., S. 46. Alle Angaben von Maerz sind pure Phantasie, für die keine Dokumente existieren.
[4] a.a.O., S. 49. … für militärische Erfolge … die wahrscheinlich nicht vorhanden waren, schwadroniert Maerz. Dass Matthiessen maßgeblich die Landwirtschaft in den besetzten drei baltischen Ländern leitete und keine militärische Einheit führte, bleibt unbeachtet.
[5] a.a.O., S. 49. Wie bereits erwähnt war die Behörde bis zum 3.11.1944 hiermit nicht befasst!
[6] a. a. O. S. 49.
[7] Orden und Ehrenzeichen. Sammeldruck der geltenden Bestimmungen, Neudruck vom 1. Juli 1943, S. 63

 

Diesen Beitrag in Heft 2/2013 kommentierte Dietrich Maerz im SDA / DGO-Forum: http://h1797427.stratoserver.net/public_html/wbb3/board29-29/board30-allgemeines-sammlerforum/66076-patzwall-mag-maerz-nicht/

Dem Herrn aus USA ist es nicht geläufig, dass fachliche Dispute im Medium der Erstveröffentlichung ausgetragen werden. Andererseits ist „sein“ Forum der richtige Ort für seinen Gossenjargon. Skrupellos wird eine Pseudorichtigstellung aus Verdrehungen, Unwahrheiten und jeder Menge persönlicher Diffamierungen angerührt, um eigene Fehler zu kaschieren. Hiervon kann sich jeder persönlich überzeugen, der es auf sich nimmt den Militaria-Artikel mit dem Maerz-Machwerk abzugleichen.

Sein primitiver Text ist es nicht wert kommentiert oder in der Fachpresse veröffentlicht zu werden.

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