Anmerkungen zur Verleihungspraxis des Ehrenkreuzes des Weltkrieges für Angehörige der Kaiserlichen Marine

von Thomas U. Voß
Die Stiftung vom Ehrenkreuz des Weltkrieges durch den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg erfolgte am 13. Juli 1934  anlässlich des 20. Jahrestages des Kriegsbeginns 1914. Gemäß  Reichsgesetzblatt Nr. 81 vom 13. Juli 1934, Seite 620, Ziffer 3, Absatz 3 („Verordnung zur Durchführung der Verordnung des Reichspräsidenten über die Stiftung eines Ehrenkreuzes vom 13. Juli 1934“) waren die Verleihungsvoraussetzungen für jeden reichsdeutschen Kriegsteilnehmer im Seekrieg erfüllt, wenn dessen Schiff („Kriegs- oder Hilfskriegsschiff“) unter Kriegsflagge an einer Kampfhandlung (wozu auch Tätigkeiten wie Minenräumen gehörten) teilgenommen hatte.
Ein schönes Beispiel für einen entsprechenden Verleihungsvorgang ist die hier vorgestellte Bescheinigung vom 22. September 1936 für den Heizer  K. Boiken auf dem Tonnenleger „Mellum“ durch das Seezeichen- und Lotsenamt der Jade in Bremerhaven.

Der Dampftonnenleger „Mellum“ wurde 1892 von der Jos. L. Meyer-Werft in Papenburg an die Kaiserliche Marine ausgeliefert. Nach heutigem Verständnis ein kleines Schiff (Länge über Alles 40 m, größte Breite 7 m, Tiefgang 3,50 m), war es mit einer dreifach Expansionsmaschine mit 350 PS und nur 1 Schraube ausgerüstet. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 10 Knoten. Im Jahre 1892 war es ein hochmodernes Schiff, zu Kriegsbeginn 1914 jedoch veraltet.
Trotzdem nahm die „Mellum“ im Oktober 1917 am Unternehmen „Albion“ teil, der ersten größeren amphibischen Operation deutscher Streitkräfte unter Beteiligung von Armee und Marine.
Hinter der Bezeichnung „Unternehmen Albion“ verbarg sich die Eroberung der baltischen Inseln Dagö, Ösel und Moon. Dieses war die Voraussetzung die Erreichung der eigentlichen Ziele – der Besetzung der Älandinseln und Finnlands.

Wie der abgebildeten Karte zu entnehmen ist, waren diese baltischen Inseln durch überaus kompakte Minenfelder geschützt. Darüber hinaus musste mit starker Gegenwehr durch russische Überwasserkräfte gerechnet werden. Die Minengefahr spiegelt sich deswegen auch in den Verlustziffern wider – 201 deutsche Soldaten wurden verwundet; 210 Soldaten fielen – darunter der Dichter Walter Flex. Die Mehrzahl der Gefallenen – nämlich 156 – waren Marineangehörige der Minenräumverbände. Dagegen fielen während der Landkämpfe „nur“ 54 Heeressoldaten; weitere 135 wurden verwundet.“ Nach dem Räumen von Zwangswegen war es Aufgabe der „Mellum“ neue Seezeichen zu setzen.

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