Veit Scherzer: Vorneweg. [Warum die nachfolgende Rezension in MILITARIA und nicht wie vorgesehen in „OuE“ erscheint]. Jörg Nimmergut: Deutsche Orden und Ehrenzeichen bis 1945. Band IV.

dieser Beitrag ist im Jg. 2002, Heft 2, März-April, S. 22-28,
teilweise hier veröffentlicht,
Nachtrag & Ergänzung: Jg. 2002, H. 5, S. 147

 

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Jörg Nimmergut

Deutsche Orden und Ehrenzeichen bis 1945. IV. Band: Württemberg – Würzburg – Deutsches Reich

München 2001, Selbstverlag, ISBN 3-00-00-1396-2, OLwd., 753 Seiten, € 251,00

 

Es gibt Publikationen, die langweilen einen bis zum Gähnkrampf. Andere sind der Auslöser für einen Kollaps, über wiederum andere staunt der Laie und der Experte ist fassungslos. Nun sind ja in jedem Buch Fehler vorhanden. Die Qualität eines Buches erkennt man an der Quote der Fehler. Über die Qualität des vorliegenden Buches müßte man eigentlich den Mantel des Schweigens decken. Wäre das Buch nicht gefährlich. Zumindest in Teilen. Denn, Sammlern, die sich für die Preisfindung auch an der Häufigkeit der Auszeichnung orientieren, werden unrichtige, manchmal unrealistische Zahlen genannt. Zudem sind Kopien abgebildet, ohne als solche bezeichnet zu sein. Es werden falsche Maße und unkorrekte Größen angegeben. In einer Veröffentlichung mit wissenschaftlichem Anspruch aus Auktionskatalogen zu zitieren, ist ridikül. Wissen wir doch alle, daß in allen Auktionskatalogen, immer und ausschließlich die Wahrheit und nichts als die Wahrheit geschrieben steht und auch abgebildet ist. Unschön sind auch die Lücken. Viele davon sind schon vor längerer Zeit durch Beiträge in den einschlägigen Fachmagazinen geschlossen worden. Sie wurden leider vom Autor übersehen. Überhaupt hat man den Eindruck, daß der Redaktionsschluß etwa um 1990 stattgefunden haben muß. Das einzig Neue ist der Versuch alle Fertigungsvarianten und alle Hersteller nachzuweisen. Ersteres ist absolut undurchführbar (allein in seiner EK I-Sammlung hatte der Rezensent um die 350 Fertigungsvarianten – er weiß wovon er spricht), letzteres – aufgrund unvollständig überlieferter Unterlagen – kaum möglich.

Die offensichtlichen Fehler und Lücken sollen mit dem konzipierten Nachtragsband geschlossen werden (Vorwort:), „sofern das dafür benötigte Material auch vom Leser kommt.“

Wegen des Umfangs des vorliegenden Werkes konnte nicht jeder Auffälligkeit nachgegangen werden. Es sind also sicher noch weitere Fehler zu belegen. Zugute halten muß man dem Autor Kontinuität. Er hält die Fehlerquote durch alle vier Bände hindurch in etwa gleich hoch.

In diesem Handbuch sollen ausschliesslich „sämtliche staatlich verliehenen und tragbaren deutschen Orden und Ehrenzeichen“ vorgestellt werden, schreibt Nimmergut. Warum die Germanische Leistungsrune sowie die Ehrennadel der SS-Heimwehr Danzig (S. 1887) Aufnahme gefunden haben, ist unklar. Beides sind nicht-staatliche Auszeichnungen. Zur Ehrennadel ist noch anzumerken, dass sie weder von der Freien Stadt Danzig geschaffen, noch staatlich anerkannt war. Die genannte SS-Division Wernau hat nie existiert. Warum die württembergische Medaille für Kunst und Wissenschaft beschrieben wird – das weiß Hugo. Sie ist nichttragbar. Merkwürdig ist auch die Erwähnung der Preismedaille des Gauleiters Lauterbacher. Diese ist nichttragbar und nichtstaatlich. Ja, sie war nicht einmal parteiamtlich anerkannt. Wenn er schon Ausnahmen zuläßt, dann hätte er von der Gewichtung her viel eher die vom deutschen Staatsoberhaupt persönlich verliehene Goethe-Medaille, oder den Adlerschild vorstellen sollen. Da schweigt er sich aber aus. Dafür bildet er Schnapsbecher (sic!) ab, die, verziert mit einer truppeninternen Anstecknadel, seinerzeit im Handel waren.

Auch bei den nichttragbaren Luftwaffenauszeichnungen macht Nimmergut rational nicht nachvollziehbare Ausnahmen: "…ausgehend vom regen Interesse an den Auszeichnungen der Luftwaffe…" und weil diese Verleihungen in die Personalpapiere eingetragen wurden, „wurden der Ehrenpokal und die Ehrenschale in das Werk aufgenommen.“ Aha. Die anderen zahlreichen nichttragbaren luftwaffenamtlichen Auszeichnungen, deren Verleihungen auch ins Soldbuch eingetragen wurden, finden also kein Interesse. Bemerkenswert.

S. 1894: Deutscher Adlerorden: "Die erste Verleihung des neuen Ordens erfolgte am 25.09.1937 an Benito Mussolini. Er erhielt das Großkreuz in einer Sonderanfertigung mit einem Stern mit Brillanten." Tatsächlich erfolgte die erstmalige Verleihung eines Großkreuzes zum DAO am 7.6.1937. Anläßlich seines Deutschlandbesuchs im September 1937 wurde Mussolini die Sonderausführung verliehen. Zugleich soll er, so Nimmergut, von Hitler das Goldene Parteiabzeichen der NSDAP erhalten haben. Das ist falsch. Er erhielt das Goldene Hoheitszeichen, das Hitler übrigens nur zweimal verlieh. Offenbar kennt der Autor dieses Ehrenzeichen nicht.

Unrichtig ist auch die genannte Verleihungszahl für das goldene Großkreuz des DAO.

S. 1914: Nationalpreis für Kunst und Wissenschaft. Er beruft sich auf eine Veröffentlichung im IMM über angebliche „Abzeichen der Präsidialkette des Verleihungskomitees“, bei der es sich nach seiner Meinung um Vorlagenmuster der Schärpendekoration handelt. Im ständig zitierten und von Nimmergut ebenfalls verfassten OEK nennt er die gleichen Abzeichen eine Halsdekoration für den Präsidenten des Verleihungskomitees. In seinem Handbuch verzichtet er schamhaft auf einen entsprechenden Hinweis. Ein derartiges Komitee hat weder existiert, noch war es je geplant.

S. 1924: Deutscher Orden. Es ist unbestritten das Verdienst des Autors, eine Urkunde zu diesem Orden entdeckt zu haben (Bayr. Nationalmuseum). Es ist dies die bislang einzig bekannte. Ansonsten spiegeln die gemachten Angaben nicht den aktuellen Forschungsstand wider. So fehlt die Verleihung "mit Eichenlaub" an den Bayr. Gauleiter, und der Gauleiter Hanke ist mit falschem Verleihungsdatum vertreten. Die Abb. 4670 hat Nimmergut dem Archiv Dr. Klietmann, zwei andere Fotos ohne Hinweis MILITARIA entnommen.

S. 1938: Mutterkreuz. Hier fehlt, daß ab Ende 1944 auch Verleihungen an "volksdeutsche" Mütter möglich waren.

S. 1947: Schutzwall-Ehrenzeichen. Die ursprüngliche Form mit der veränderten Anordnung von Schwert und Spaten findet sich in der zeitgenössischen Tagespresse, jedoch nicht im Handbuch.

Bei der Bandspange (S. 1947) erwähnt er den Namen „Napp“, verbunden mit der Frage „ob Napp eine Person oder eine Firma ist?“. Zur Klärung hätte er sogar bei sich selbst nachschlagen können. Auf den Seiten 2288 und 2349 erwähnt er einen „Herrn Napp in der Firma C.E. Juncker, Berlin.“ Dieser war Betriebsführer von Juncker und stellvertretender Vorsitzender der LDO. Die erstmalige Veröffentlichung einer Abbildung der Spange im Doehle 1945 bleibt unerwähnt.

S. 1963: DRK-Ehrenzeichen. Hier fehlt das Großkreuz 2. Form. Es ist durch Fotos von H. Göring zu belegen, der es trägt. Zudem ist es auf Görings "Ordensschrein" zu sehen. Eine Buchveröffentlichung mit entsprechenden Abb. hat Nimmergut einmal rezensiert.

Beim Damen- bzw. Frauenkreuz (4730, 4738) bleibt der Fertigungsunterschied zur 2. Klasse unerwähnt. Die Maßangaben für Nr. 4735 stimmen nicht. Die recht seltene Ausführung des Frauenkreuzes mit Brillanten sucht man vergebens. Sie wurde z. B. an die Gattin des Ungarischen Reichsverwesers Horty und an die Italienische Königin verliehen.

S. 1969: Volkspflege-Ehrenzeichen. Ärgerlich, daß die sehr ausführlich beschriebene Vorgeschichte dieses Ehrenzeichens – publiziert in Heft 4/1993 von "Militaria" – nicht erwähnt wird.

Ebenfalls nicht beschrieben ist der Stern der Sonderstufe, womit sich Nimmergut eine Korrektur in seinem Orden- und Ehrenzeichenkatalog (OEK) erspart. Darin phantasiert er von einem echt goldenen Halskreuz zur Sonderstufe.

Die Schwerter bei Nr. 4745 und 4748 wirken wie eine Fotomontage. Die angegebenen Maße entsprechen nicht der Vorschrift. Zudem sollten die Schwerter bei der 4. Stufe vergoldet und nicht versilbert sein.

S. 1979: Deutsches Turn- und Sportabzeichen. Es gab niemals offiziell gestickte – wie beschrieben – , sondern nur gewebte Abzeichen. Da im Handbuch auch nur gewebte Abzeichen abgebildet sind, muß man – nicht ohne Erschütterung – vermuten, daß dem Sachverständigen Nimmergut der Unterschied zwischen sticken und weben nicht bekannt ist.

S. 2001: SA-Sportabzeichen Hier fehlt die Ausführung für Wassersporteinheiten, obwohl ausführlich in den letzten Jahren in der Fachpresse dokumentiert.

Mit keinem Wort werden das Pferdepflegerabzeichen und das Jungfliegersportabzeichen erwähnt. Obwohl letzteres sogar namentlich im Ordensgesetz aufgeführt ist.

S. 2007: Bei der Germanischen Leistungsrune – die ja nach eigener Vorgabe Nimmergut gar nicht mit hätte aufgenommen werden dürfen – fehlen die Verleihungsbestimmungen. Auch das Leistungsbuch wird nicht erwähnt. Expressis verbis wird darauf hingewiesen, daß der Herstellungsauftrag von der Kanzlei des Reichsführers SS vergeben wurde. Überprüft man nun die Quellengabe hierzu, findet man ein Schreiben von SS-Obersturmbannführer Dr. Brandt – dem Leiter der Kanzlei – an das SS-Hauptamt mit der Bemerkung: „…mir ist nicht bekannt, von wem dieses Abzeichen [Leistungsrune; V.S.] hergestellt wird.“

S. 2008: Das Foto der Nr. 4829 (Vorderseite) ist ein Repro aus dem „Doehle“, was ihn aber nicht daran hindert sein Gewicht anzugeben.

S. 2010: Eines der DJL ist seitenverkehrt abgebildet. Es fehlt die spezielle Fertigung für Pimpfe der Deutschen Kolonisten in China.

Unbekannt sind Nimmergut auch das HJ-Siegerabzeichen für Länderkämpfe und das BdM-Führerinnensportabzeichen, obwohl hierüber bereits publiziert wurde.

Bei der Nadel des Deutschen Jugendmeisters fehlt die 1. Form.

S. 2020: Mit der Aufnahme der frühen DLV-Freiballonführer-Abzeichen setzt er sich wieder über die eigenen Vorgaben hinweg, denn diese Abzeichen waren niemals staatlich anerkannt.

S. 2026:Beim Blutorden handelt es sich um das einzige deutsche Ehrenzeichen, das auf der rechten Brustseite getragen wurde.“ Und wo steckten sich nach Nimmergut's Erkenntnis die Beliehenen z. B. das Spanienkreuz hin? Als Quelle seiner Falschauskunft gibt er Patzwall an. Überprüft man das, findet sich dort: "Es ist die einzige Erinnerungsmedaille, welche auf der rechten Brustseite getragen wurde."

S. 2034: Goldenes Ehrenzeichen der NSDAP. Es fehlt das Silberne Ehrenzeichen, über welches bereits in einer Fachzeitschrift berichtet wurde (mit Abb.).

Die für das Goldene Ehrenzeichen angegebene Verleihungszahl "über 100.000" (S. 1918) ist fern jeder Realität.

Die Behauptung des Autors, Wehrmachtangehörige, welchen das Goldene Ehrenzeichen der NSDAP verliehen worden war, wurden nicht in die Partei aufgenommen, ist unwahr. Es waren alle an dieser Stelle Genannten – mit Ausnahme von v.Brauchitsch und Keitel – Parteigenossen. Milch war bereits seit 1929 PG. Das alles ist übrigens schon seit Jahren bekannt (vgl. Militaria 6/1996).

Es existiert die lückenlose Matrikel der ehrenhalber erfolgten Verleihungen, jeweils mit Verleihungsdatum und Parteimitgliedsnummer. Damit läßt sich unzweifelhaft beweisen, daß es z.B. die von Nimmergut vorgestellten Ehrenzeichen "Seyss-Inquart" oder "Rudolf Hess" zeitgenössisch nie gegeben hat.

Auch die Behauptung, Deschler und Fuess in München wären die einzigen Hersteller für das Goldene Ehrenzeichen gewesen, ist unwahr.

Das Goldene Ehrenzeichen auf dem Runenstern hat Nimmergut sich wohl für Band 5 aufgehoben.

Die Angabe, daß die Verleihungen jeweils am 30. Januar und am 20. April jedes Jahres vorgenommen wurden, ist eine Erfindung des Sachverständigen. Bei einer Überprüfung wird man gewahr, daß am 20.4.39 eine und am 20.4.1940 gar keine Verleihung erfolgte. Verleihungen zum 30. Januar gab es nur in drei Jahren.

Daß Mussolini von Nimmergut ein Goldenes Parteiabzeichen verliehen bekam wurde oben schon erwähnt.

Was an dieser Stelle die Tragebestimmungen für das normale Parteiabzeichen bei der SS zu suchen haben, verschließt sich dem Rezensenten völlig. (Notabene: Wenn er sie schon bringt, dann sollte er es auch vollständig tun: Es fehlt der Reichsführer-Befehl aus dem Krieg über die Trageverpflichtung zur feldgrauen Uniform.)

S. 2041: Coburger Ehrenzeichen. Die Kritik an den von Dr. Klietmann genannten Verleihungszahlen sind unberechtigt. Er hat eine spätere Liste verwendet, in welcher auch die von Nimmergut entdeckten "Ehrenverleihungen" enthalten sind (436 Verleihungen, davon 208 aus München).

S. 2050: Gau-Ehrenzeichen Berlin. "Patzwall gibt drei Verleihungen an." Schlägt man unter der angegebenen Quelle nach, erfährt man staunend: es gab 31 (einunddreißig) Verleihungen – der Stufe "Gold"!

S. 2058: Gau Warteland Traditionsabzeichen. Hier bringt der Sachverständige Angaben von Patzwall mit dem schon bei Klietmann erwähnten "Ehrenkreuz für Volkstumskampf" durcheinander. Letzteres Ordensprojekt wird im Handbuch nicht erwähnt. Die Reduktion des Traditionsabzeichens ist nach Meinung des Rezensenten gar keine, sondern die Fotoverkleinerung eines Originals. Als Quelle hierfür wird der Niemann-Katalog angegeben – in dem eine derartige Abbildung jedoch nicht enthalten ist (!).

S. 2061: NSDAP-Dienstauszeichnung: Hier stellt Nimmergut die bei Patzwall genannte Verleihungszahl in Abrede und fordert einen Quellennachweis. Warum hat er nicht selbst recherchiert? Na, ja. Es ist halt bequemer andere Autoren und ihre Quellen zu zitieren (abzuschreiben). Höllisch aufpassen sollte man dabei aber schon. Sonst passiert es, daß man Signaturen aus dem einen Archiv einem anderen zuordnet. Wie z.B. die Quellenangabe 13 auf Seite 2066. Hier paßt die nichtdeutsche Signatur nicht zum Bundesarchiv.

Übrigens: Gauleiter v. Schirach überreichte am 5.3.1941 in Wien sechs Stück der goldenen Stufe. Im Laufe des Jahres verlieh er dann noch weitere DA in Gold.

Nimmergut blieb auch die Schaffung einer besonderen RZM-Kennziffer für Hersteller der NSDAP-DAZ verborgen. Folge, er ordnet fälschlich Hersteller nach der Präsidialkanzlei-Firmenliste zu!

S. 2060: Goldenes HJ-Ehrenzeichen. Weil wir ja schon gerade beim Durcheinanderbringen sind: Es gibt nicht nur ein Hitlerjugend-Ehrenzeichen, sondern auch ein Goldenes Ehrenzeichen der Hitlerjugend. Ersteres wurde vom Reichsjugendführer der NSDAP, letzteres vom Jugendführer des Deutschen Reichs – einer obersten Reichsbehörde – verliehen. Das ist aber so unbekannt nicht. Auch darüber gibt es bereits eine Veröffentlichung (1998). Nur, weil das dem Nimmergut unbekannt ist, verwechselt er beide Ehrenzeichen und teilt den namentlich aufgeführten Beliehenen falsche Ehrenzeichen zu.

Für das Jahr 1940 verneint Nimmergut Verleihungen vom HJ-Ehrenzeichen. Einem Verordnungsblatt der Reichsjugendführung der NSDAP ist aber gegenteiliges zu entnehmen.

Die Verleihungen vom Goldenen Ehrenzeichen der HJ auf 1934 bis 1941 zu beschränken ist falsch. Es wurde vorher und nachher verliehen. Nimmergut gibt ja selbst als Erstverleihung den 27. Mai 1933 an. Auch die zeitliche Begrenzung bis 1941 für Verleihungen an Ausländer ist falsch. Bei der Sonderstufe mit Edelsteinen nimmt Nimmergut auf eine eidesstattliche Erklärung von Henriette von Schirach Bezug und zitiert: „Sie gab auch den vorgenannten Zeitpunkt der Verleihung an.“ In dieser, dem Rezensenten auch vorliegenden Erklärung (Fotokopie), kommt seltsamerweise dieser Satz nicht vor.

S. 2077: Pionier der Arbeit. Hier fehlt ein Hinweis auf die Vorgängerin: die DAF-Nadel in Gold. Mindestens eine abgebildete Dekoration stammt aus der Nachkriegsfertigung.

S. 2079: Wehrwirtschaftsführer-Abzeichen. Obwohl Nimmergut aus einer Quelle zitiert, in welcher die Einführung der Auszeichnung mit dem Jahr 1936 nachgewiesen ist, besteht er auf „…März 1939, Datum der ersten Ernennungen.“ Das hindert ihn aber überhaupt nicht daran, aus den beiden vorangegangenen Jahren exemplarische Verleihungen nachzuweisen (!).

S. 2082: Ehrenzeichen der Technischen Nothilfe: Am "2.4.35 durch den Reichsführer der TN und Generalleutnant der Polizei Weirich [gestiftet]. Klietmann gibt fälschlich den Rang SS-Gruppenführer an." (S. 2082). Nach den SS-Ranglisten war Hans Weinreich (!) seit dem 09.11. 1933 SS-Gruppenführer.

Doehle erwähnt in seiner Ausgabe von 1945 das Ehrenzeichen nicht.“ Die Erklärung: Das EZ wurde erst Ende 1944 als staatliche Auszeichnung anerkannt und da war das Buch aber bereits in der Produktion.

S. 2090: Spanienkreuz. Hier ist erfreulicherweise eine anscheinend vollständige Auflistung aller vorkommenden Hersteller sowie der Herstellungsvarianten aufgeführt. Leider wird über die ungewöhnliche Tatsache, daß für jede der fünf verschiedenen Ausführungen (Brillanten und Hinterbliebenenkreuz unberücksichtigt) mehrere unterschiedliche Urkundentexte nachgewiesen sind, kein Wort verloren.

Über der Satz „Da sämtliche amtliche Unterlagen über die Legion Condor in Deutschland vernichtet wurden, gibt es keine offizielle deutsche Verlustliste,“ kann man sich nur wundern. Wo hat Nimmergut da bloß recherchiert? Es ist nämlich das Gegenteil wahr.

S. 2144: Eisernes Kreuz. Die Quellen für den Abschnitt "posthume Verleihungen" nebelt Nimmergut – aus welchen Gründen auch immer – ein. Als Nachweis bringt er nur das Datum der Geheim-Verfügung, als Nachweis für die Durchführungsbestimmungen nennt er den Sammeldruck Orden und Ehrenzeichen (Merkblatt 15/5). Darin sind aber diese Texte nicht enthalten (!).

Zugegeben, es ist schwer zum Thema Eisernes Kreuz Neues auszugraben. Aber nicht unmöglich. So wurde z.B. über die Praxis der Kontingentierung bei Kampfeinheiten des Heeres – obwohl in einschlägig interessierten Kreisen seit längerer Zeit bekannt – noch nichts publiziert. Und auch im Handbuch findet man (deshalb ?) dazu leider nichts.

Bei der Auflistung "Frauen mit dem EK" kann der Rezensent die Auswahlkriterien des Autors nicht nachvollziehen. Die DRK-Schwester Großmann aus Linz nimmt er nicht auf, weil die Verleihung angeblich nur mit einer Meldung im "Polar-Kurier" zu belegen ist. (Das stimmt nicht. Es liegen darüber auch Berichte von Zeitungen aus dem Reich vor.) In anderen Fällen hingegen nimmt er keinen Anstoß an einer einzigen Pressemeldung pro Verleihung. Ja, sogar eine namentlich nicht genannte Krankenschwester (ohne Quelle) hält er für mitteilenswert.

Dem Bericht vom Herbst 1944 über "Bisher 27 EK-Verleihungen an Frauen…" ist Nimmergut in 30 Jahren intensiver Recherche noch nicht begegnet. Auch alle der Geheimhaltung unterliegenden und nur bis zu den Divisionen auf dem Dienstweg verteilten Bestimmungen kennt er nicht.

Womöglich liegt das daran, daß er seit Jahren in Koblenz umherirrt und das Bundesarchiv-Militärarchiv (BA-MA) nicht findet (s. Quellenangabe S. 2179: BA-MA Koblenz). Es befindet sich nämlich in Freiburg i.Br.

S. 2177: Zum Goldenen Ritterkreuz zum KVK zitiert Nimmergut eine Buchveröffentlichung von Patzwall aus dem Jahr 1978, in welcher Zweifel an der Stiftung geäußert werden. In der 2. Auflage von 1984 ist die Stiftung jedoch enthalten. Diese erweiterte Auflage – obwohl anderenorts als Quelle zitiert – ist Nimmergut unbekannt. Und so stützt er sich für die Verleihungszahlen (S. 2182) auf das in jeder Hinsicht überholte Werk von 1978. Alle seit 23 Jahren (dreiundzwanzig) in der Literatur zusätzlich erwähnten Namen oder Verleihungszahlen sind spurlos an ihm vorbeigezogen.

Und, daß es für die KVK-Ritterkreuze neben den Besitzzeugnissen auch großformatige Urkunden in Ledermappen – nach dem Vorbild des RK zum EK – gegeben hat, hat ihm noch niemand recherchiert.

S. 2195: Deutsches Kreuz. Die genannten Verleihungszahlen für Verleihungen an Ausländer sind falsch. Die richtige Zahl lautet: 16. Causa: Nur nicht auf den Führer vereidigte Soldaten zählten als Ausländer.

Die Erstverleihung soll angeblich am 18.10.1941 erfolgt sein. Einem von ihm selbst angegebenen Referenzwerk ist jedoch zu entnehmen, daß bereits drei Tage zuvor 15 Dekorationen verliehen worden waren.

Weiter berichtet er vom Erstauftrag der Präsidialkanzlei über 2.000 Stück an die Fa. Deschler. Als Quelle dafür nennt er eine Nachkriegsveröffentlichung – in welcher hierüber kein einziges Wort zu finden ist! Zur raschen Auftragsabwicklung, so Nimmergut weiter, sei ein Werkzeugmacher namens Kögelmaier zur Fa. Deschler abgestellt worden. Dieser habe auch die Herstellungsvorschrift angefaßt. Als Quelle dient ihm ein Schreiben der Präsidialkanzlei vom 21.9.1941. Aber auch diese Quelle ist eine Luftnummer. Beides kommt in dem Schreiben nicht vor!

Wie sorgfältig der Autor mit historischen Fakten umgeht bzw. wie sehr er recherchiert hat, dokumentiert folgender Auszug eines Schreiben von Dr. Doehle an den Hauptfachgruppenwalter Tornow vom 21.11.1941: "Die einheitliche Ausführung des Deutschen Kreuzes durch die vier [sic!] beteiligten Firmen, habe ich bereits angestrebt. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie sich auch dieser Sache annehmen und …". Diese Angaben und auch das Antwortschreiben von Tornow beweisen, daß entgegen den Angaben von Nimmergut, bereits seit Fertigungsbeginn neben Deschler zeitgleich drei weitere Firmen Deutsche Kreuze gefertigt haben. Wenn also die von Nimmergut vorgestellten frühen Stücke alle Deschler zuzuordnen sind, so kann bisher keine einzige Dekoration von den drei anderen Firmen aufgetaucht sein. Wer soll das glauben? Nebenbei: In der ersten Herstellungsvorschrift kommt die Vokabel "Cupal" nicht vor.

S. 2221: Verwundetenabzeichen 1939. Dazu ermittelte der Langzeitrechercheur: „Anfang 1940 wurde die neue Ausführung des Verwundetenabzeichens erstmals ausgeliefert.“ Falsch. Am 2.3.1940 teilte der Künstler Hanisch-Concée der Präsidialkanzlei die Fertigstellung der neuen Stanze durch das Hauptmünzamt Wien mit. Und, daß in den nächsten Tagen ein Prägemuster zur Genehmigung vorgelegt werde. Fast zeitgleich haben die Hersteller C.F. Zimmermann, K. Hensler und O. Schickle – alle Pforzheim – jeweils noch 5.000 hohl gepreßte Abzeichen (Muster 1939) geliefert. Danach mußten alle Hersteller von Verwundetenabzeichen, vorbehaltlich ihrer Autorisierung durch Dr. Doehle, die Werkzeuge zur Herstellung aus Wien beziehen.

Erschreckend ist, daß alle weiteren Angaben des auch als Gutachter arbeitenden Autors nicht den Tatsachen entsprechen. Am 7.12.1941 wurde für Abzeichen in Gold und Silber Cupal vorgeschrieben, am 8.12.1943 dann Zink. Zwischendurch wurde auf Anregung der Fa. Deumer mit Ersatzstoffen (Plaste/Trulituol) experimentiert. Wegen Materialmangels waren auch auf Stoff gedruckte Ausführungen gestattet.

S. 2242: SS-Dienstauszeichnung. Hier ergeht sich Nimmergut in Spekulationen über das exakte Datum der Verleihungseinstellung. Auf die naheliegende Idee, dazu im Verordnungsblatt der Waffen-SS zu recherchieren, kam er nicht.

Auf eine Veröffentlichung mit Auszügen der Herstellungsvorschrift hat ihn wohl niemand hingewiesen. Sie blieb unbeachtet.

Auch über die Form der Ringöse und das Material der beiden Medaillen spekuliert er. In einem Werk mit wissenschaftlichen Anspruch ist das wenig hilfreich. Die DAZ auf der Abbildung 5175 (mit rundem Bandring) ist eine Kopie.

S. 2248: Selbst um das Narvikschild (5179) bildlich belegen zu können, griff Nimmergut auf den Klietmann-Nachlass zurück. Ohne es anzugeben. Hitler ordnete ausdrücklich Tombak für Heer und Luftwaffe an. Die Kriegsmarine verwendete zunächst Kupfer. Beide vorschriftsmäßigen Ausführungen fehlen im Handbuch.

S. 2253: Cholmschild: Hier wird ein Schreiben des OKW zitiert, welches jedoch in der angegebenen Quelle nicht enthalten ist. Dazu wird die angebliche Entwurfszeichnung gezeigt – als Quelle dafür wird eine unvollständige, dadurch nicht überprüfbare Aktensignatur genannt. Natürlich blanker Zufall! Tatsächlich wurde die Abbildung aus dem unter Anmerkung 7 erwähnten Buch entnommen und ist nicht die Entwurfszeichnung. Die originale Entwurfszeichnung aus den Akten wurde aber auch schon veröffentlicht (in MILITARIA).

Der Autor hat auch keine Fortüne! Da wird eine Abbildung irgendwo entnommen, dann mit viel List – ja mit Liebe zum Detail – eine Quelle konstruiert und verschleiert – und dann war alles umsonst.

Krimschild: Es wird erstmals die echt goldene Ausführung abgebildet. Unbestritten eines der Highlights des Handbuches.

S. 2264: Beim Warschauschild sind die Maßangaben für beide Arent-Entwürfe falsch. Auf Seite 2265 wird ein Rechnungstext zitiert und völlig unabsichtlich die Quellenangabe vergessen.

Das Projekt Stalingradschild ignoriert Nimmergut. Obwohl es in der Literatur Erwähnung findet und auch die Abbildung eines Entwurfs von Generaloberst Paulus existiert.

S. 2266: Lapplandschild. Zur Hohlprägung (Abb. 5200) erklärt Nimmergut: „…bisher wurde angenommen, es gäbe nur geritzte oder gegossene Exemplare.“ Auf den ersten Blick das Ergebnis von jahrelanger Archivarbeit. Sozusagen der Lohn der Strapazen der 55.000 Reisekilometer im In- und Ausland (Vorwort 1. Band). Irgendwie vergleichbar mit Schliemann und Troja. Kann denn so eine Sensation nur dadurch relativiert werden, daß sie schon seit 1963 bekannt ist? Da erschien nämlich im "Medal Collector" dieselbe Abbildung. Sie stammt von Dr. Klietmann und aus seinem Nachlaß hat sie der Autor auch her, mit Beschreibung. Auch wenn er es schamhaft verschweigt.

S. 2274: Ärmelband Afrika: Obwohl in zwei Fachzeitschriften (OMM und Militaria) explizit die Ausführung „Gold auf Blau“ vorgestellt wird, verliert Nimmergut darüber kein Wort.

S. 2279: Ärmelband Kurland: "Ziff. 2. Ärmelband "Kurland". Entwurf des OKH – übersandt vom Bundesminister der Verteidigung am 24.7.1958 / Zentralstelle f. wiss. Ordenskunde München". Natürlich erfolgte die Zuschrift 1958 nicht an den 19jährigen Nimmergut, sondern an Dr. Klietmann, aus dessen Nachlaß er eine Kopie hat.

Exkurs:

Auf diese Art hat Nimmergut unzählige Quellennachweise verschleiert. Warum? Vermutlich um den Eindruck eigener Recherche zu erwecken. Etwa 99% aller im Handbuch erwähnten Akten finden sich, zwar nie komplett, im Nachlaß Klietmann, oder wurden schon publiziert. Und aus diesem Nachlaß stellte er den Band IV großteils zusammen. Dr. Klietmann starb 1990. Haben wir damit die Erklärung, warum so viele Erkenntnisse neueren Datums im Handbuch fehlen?

S. 2234: Fallschirmschützenabzeichen des Heeres. Hier wird die unsinnige Geschichte der echt silbernen Exemplare wiederholt. Der erschöpfende Bericht in "Orden & Ehrenzeichen" über die vorschriftsmäßige Fertigung in Aluminium wird ignoriert. Es gibt viele Kopien aus Silber, aber wenige zeitgenössische Originale eines bekannten Juweliers.

S. 2329: Ballonbeobachterabzeichen. Hier verschweigt Nimmergut die Angabe im Doehle von 1945: "Abbildung lag bei Druckbeginn noch nicht vor." Die beiden Abbildungen sind aus dem Nachlaß Klietmann.

S. 2337: Ostvölkerauszeichnung. Als Quelle für die Vorgeschichte gibt Nimmergut an: "BA Koblenz NS 9/232". In dieser Akte findet sich jedoch nichts darüber. (Aber in zwei von ihm nicht nachgewiesenen Fachzeitschriften.)

S. 2350: Kriegsmarine-Kampfabzeichen aus französischer Fertigung. Hier weiß Nimmergut: „Auszeichnungen des Reiches durften nur von deutschen Firmen gefertigt werden.“ Falsch. In den Niederlanden war es möglich, die Genehmigung zur Herstellung deutscher staatlicher Auszeichnungen zu erhalten.

S. 2352: U-Boot-Kriegsabzeichen: Das Abzeichen ist gewebt, nicht gestickt. Zur Abbildung 5321: Das Kptlt. H. Schultze zugeschriebene und abgebildete Abzeichen entspricht nicht der nachweislich aus seinem Besitz stammenden Dekoration.

S. 2374: Flotten-Kriegsabzeichen. Die Behauptung, daß sich zum Zeitpunkt der Kapitulation ein Exemplar mit Brillanten im "Heerespersonalamt" befunden haben soll, ist hanebüchen. Dem abgebildetem Entwurf hat Nimmergut verfälschend den Herkunftsnachweis „Godet-Archiv“ hinzugefügt. In Wahrheit stellt es einen Entwurf der Fa. C. Imme aus dem Archiv Dr. Klietmann dar.

S. 2379: Schnellboot-Kriegsabzeichen. Die Abbildungen 5353, 5358 und 5359 sind aus dem Nachlaß Klietmann, was nicht angegeben ist.

S. 2388: Blockadebrecher-Abzeichen: Zu den Urkundenvarianten zitiert er eine halbe Seite lang die Erkenntnisse eines anderen Autors. Er selbst hat dazu nichts beizutragen.

Überhaupt fehlen im gesamtem Werk weitgehend eigene Erkenntnisse. Es wird umfassend mit Zitaten gearbeitet.

S. 2425: Nahkampfspange der Luftwaffe. Mit den beiden Urkunden eines Feldwebels hatte der Sachverständige eine Riesennuß zu knacken! Was trotz Einsatz seiner geballten Fachkompetenz nicht so ganz gelungen ist. Aber – er mühte sich sehr! Das Problem: Es handelt sich um eine Urkunde für die 1. Stufe (für 15 Nahkampftage) und eine für die 2. Stufe (für 30 Nahkampftage). Jetzt – man stelle sich vor! – wurde die 2. Stufe nicht 15, nein, nein, sondern nur 9 Tage nach der 1. Stufe verliehen. Unglaublich! Wenn man sich nun vor das geistige Auge führt, wie sehr sich der Autor mit diesem schier unlösbaren Problem – vielleicht tagelang – quälte, nur um die Sammler aufklären zu können, leidet man förmlich mit ihm.

Er rang und rang mit sich und gebar schließlich diesen bemerkenswerten Satz: "Es ist äußerst unwahrscheinlich, daß aus 9 Tagen, 15 offiziell anrechenbare Nahkampftage werden konnten." Eindrucksvoll!

Wenn nun aber – rein hypothetisch – dieser Feldwebel schon 29 Nahkampftage hatte, als die Einheit die 1. Urkunde ausstellte?

Wie sehr sich Nimmergut mit dem Urkundenproblem beschäftigte und wie sehr er dadurch abgelenkt wurde, erkennt man daran, daß er die diversen Veröffentlichungen – neueren Datums – über die betreffende Dekoration des Herstellers Helbig aus Dresden alle übersehen hat.

S. 2428: Panzerkampfabzeichen der Luftwaffe. Die Exponate auf Abbildung 5455 und 5460 sind Kopien. Die erstgenannte Abbildung stammt aus dem Nachlaß Klietmann, die Kopie von 5460 gibt es auch in Buntmetall.

S. 2430: Seekampfabzeichen der Luftwaffe. Hier gibt Nimmergut an, daß Verleihungen bisher nicht bekannt geworden sind. Eine Veröffentlichung mit dem Beweis des Gegenteiligen bleibt unerwähnt.

S. 2438: Spätestens beim Erreichen dieser Seite bricht der Sammler in homerisches Hohngelächter aus. Alle Fotos dieser Seite zeigen Kopien, teilweise in primitivster Machart! Nimmergut hält sie für zeitgenössisch, selbst wenn sie in einer seinerzeit nicht angewandten Herstellungstechnik produziert sind. Auch den fiskalischen Stempel der Kriegsmarine auf einer Luftwaffenauszeichnung, oder zweimal der gleiche Herstellername auf einer Dekoration, sind für ihn vorschriftsmässig. Da wundert sich auch der Dümmste nicht mehr über die Aufschlüsselung von L/22 als Rudolf Souval/Wien.

Der Rezensent könnte nun noch seitenweise fortfahren. Noch mindestens 20 Fälschungen/Kopien von Dekorationen sind abgebildet. Es ist unsäglich! Aber zum einen ist das zur Verfügung gestellte Platzangebot begrenzt, zum anderen kostet so eine Rezension sehr viel Zeit und außerdem möchte er kein neues Handbuch schreiben.

Zusammenfassung: Ein Buch muß seinen Zweck erfüllen. Ein Handbuch ist ein Nachschlagewerk. Dazu gehören z.B. auch die hier nicht vorhandenen Register und Literaturverzeichnisse.

Der Inhalt muß zum Zeitpunkt der Herausgabe den aktuellen Stand der Forschung widerspiegeln. Die Angaben darin müssen wissenschaftlich fundiert und nachprüfbar sein. Daß sie auch der Wahrheit entsprechen müssen versteht sich von selbst.

Die Höhe der Fehlerquote im vorliegenden Handbuch ist indiskutabel. Es ist nicht auf dem neuesten Stand der Forschung. Zu viele Quellenangaben sind nicht nachprüfbar bzw. halten einer Überprüfung nicht stand. Abbildungen von Falsifikaten – ohne jeglichen Hinweis darauf – haben in einem Werk mit wissenschaftlichen Anspruch nichts zu suchen, sind Betrug am Leser. Somit ist dieses Handbuch nicht zitierfähig. Und damit wertlos. Es ist, um es mit Worten von Reich-Ranicki auszudrücken: "Rei-nä Pa-pier-ver-schwän-dung!"

Veit Scherzer

 

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2 Antworten zu Veit Scherzer: Vorneweg. [Warum die nachfolgende Rezension in MILITARIA und nicht wie vorgesehen in „OuE“ erscheint]. Jörg Nimmergut: Deutsche Orden und Ehrenzeichen bis 1945. Band IV.

  1. Fortuna sagt:

    Einige Hinweise auf Fehler im Kapitel Preußen erscheinen nützlich. Es wird jeweils die Nimmergut-Nr. voran gestellt:
    1990 Silber-vergoldete Expl. sind nicht bekannt, es ist also eine Nachfertigung.
    2021 Der plm ist kein zeitgenössisches Original.
    2022 dito.
    2031 kein zeitgenössisches Original. Unrichtige Beschreibung.
    2032 kein zeitgenössisches Original. Unrichtige Beschreibung.
    2033 kein zeitgenössisches Original. Unrichtige Beschreibung.
    2034 kein zeitgenössisches Original. Unrichtige Beschreibung.
    2038 Die Angaben über silber-vergoldete Dekorationen sind falsch.
    2096 kein zeitgenössisches Original.
    2103 kein zeitgenössisches Original.
    2108 kein zeitgenössisches Original.
    2116 Die Abb. entspricht der Nr. 2117. In das Revers wurde das gegossene Medaillon der Neuanfertigung von 2103 einkopiert. Das Eichenlaub wurde wegretouchiert. Zum Zeitpunkt dieser Fälschung war der Autor vereidigter Sachverständiger.
    2117 Die Abb. entspricht der Nr. 2116. Die Angaben über Verleihungen sind unrichtig. Siehe hierzu OuE. Nr. 12/2001.
    2126 Die Verleihungszahlen im letzten Absatz sind falsch. Rxakte Angaben im OMM März 2000.
    2220 Computeranimation ohne Sinn. Zum 50. Dienstjubiläum gab es keine Verleihungen der 4. Klasse mit Schwertern. Alle entsprechenden Angaben sind zu streichen.
    2425, 2426, 2490 und 2491 zeigen immer die gleiche Neuanfertigung mit unterschiedlichen Gewichts- und Maßangaben. (!!!)

    • Voß, Thomas U. sagt:

      Jörg Nimmergut, Band II:
      Nr. 2155 und 2190: In beiden Fällen ist die gleiche Dekoration verschieden groß abgebildet, einmal als 1. und einmal als 2. Klasse bezeichnet, aber natürlich mit unterschiedlichen Maß- und Gewichtsangaben. (!) Somit sind alle Nimmergut-Angaben obsolet.
      Nr. 2159: Die Krone ist auch die der Nrn. 2155 und 2190. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist das Kreuz/Schwerter eine neuzeitliche Fertigung. Auch in diesem Fall können die Maß- und Gewichtsangaben nicht der Wahrheit entsprechen.
      Die Manipulation ist dazu noch handwerklich ungeschickt, denn bei allen 6 Computer-Animationen („Fotos“)  ist die Krone immer von der gleichen Seite zu sehen.  Auch sind in allen drei Fällen die Verleihungszahlen irreführend. Siehe hierzu das OMM März und Juni 2000.

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