Vorsicht Fälschung?

Zur Klarstellung eine Vorbemerkung. Die folgenden Ausführungen sind keine Stellungnahme zur Frage, Fälschung ja oder nein?
Die letzte Ausgabe von OuE. enthielt einen Beitrag über die – angebliche – Fälschung eines Hilfskreuzer-Kriegsabzeichens.[1] Der Autor Sascha Weber war beauftragt worden die Expertise für ein in Japan hergestelltes Ehrenzeichen, sein markantes Merkmal ist die „STERLING“-Punze,[2]  zu erstellen. Nach Einschätzung verschiedener Experten, […] Auskunft des Besitzers dreier Auszeichnungen […] und der Einholung weiterer Meinungen war er sich sicher,[3] quasi als Resultat einer Abstimmung, dass dieses Stück zeitgenössisch sei. Wochen später fiel in einem Auktionshaus dieses Abzeichen negativ auf, im Gegensatz zum Expertisenschreiber, der nur daraufhin sofort seine positive Einschätzung revidierte.
Nun kam die Expertise einer Materialprüfungsfirma ins Spiel. Sie stellte fest, dass dieses Stück zu 83,47 % aus Kupfer besteht und nicht, wie durch den Sterling-Stempel garantiert, zu 92,5 % aus Silber. Sascha Weber, nebenbei bemerkt kein von einer Industrie- und Handelskammer bestellter Sachverständiger, erklärt, der alte Begriff Sterling […] bedeutet aber nichts anderes, als dass das Stück aus 925/1000er Silber gefertigt sein müsste,[4] um dann aus dem Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberware der Bundesrepublik Deutschland zu zitieren. Zur Punzierung ist darin festgelegt, es darf nur in 800 oder mehr Tausendteilen angegeben werden[5]. Weber ist es nicht geläufig, dass Sterling – abgeleitet von der britischen Währung – eine Maßeinheit ist, die das deutsche Gesetz nicht kennt, seit 1888. Der in seinen Augen logischerweise gegebene Betrug kann darum mit dem Stempel allein nicht begründet werden.

Japanische Sterling-Silber-Punze.

In dem OuE-Artikel bleibt völlig außer Betracht, dass im Zusammenhang mit der Umstellung auf das metrische System in Japan von Ende der 1920-er Jahre bis etwa Mitte der 1950-er mit „STERLING 950“ gepunzt wurde, selten mit dem Silbergehaltzusatz „925“.
Pseudowissenschaftlich ist Webers „Erkenntnis“, dieses Gesetz gilt allgemein auch für Orden und Ehrenzeichen. Meiner Einschätzung nach fällt ein Hilfskreuzer-Kriegsabzeichen, welches mit einem Edelmetallstempel versehen wurde, auch unter dieses Gesetz.[6] Hat der „sachkundige“ Autor noch nie vom Ordensgesetz[7] gehört? Im § 6, Abs. 2, wird bestimmt: Orden und Ehrenzeichen, die in Absatz 1 nicht aufgeführt sind, sowie Abzeichen mit nationalsozialistischen Emblemen dürfen nicht getragen werden. Sie dürfen weder hergestellt noch angeboten, feilgehalten, verkauft oder sonst wie in Verkehr gebracht werden. Er behauptet somit allen Ernstes, heutige Hersteller (Fälscher) von Auszeichnungen des 3. Reiches sind verpflichtet das Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren der Bundesrepublik Deutschland einzuhalten, obwohl es auch keine Gültigkeit für Auszeichnungen der nationalsozialistischen Epoche hat. Wenn in OuE. zu lesen ist, der Sterling-Stempel garantiert 92,5 % Silber, so ist das blindgläubig, aber keine Tatsache. Auch unterliegt die Verwendung dieses Stempels nicht der deutschen Jurisdiktion.

In der Frage, Original oder Fälschung, wird von Weber ausschließlich mit dem angeblichen Wahrheitsgehalt der Punze des diskutierten Abzeichens argumentiert. Es besteht gemäß Materialanalyse weitgehend aus Kupfer und nur zu 2,15 % aus Silber. Doch wo ist der Beweis, dass die in Japan hergestellten Hilfskreuzer-Abzeichen tatsächlich aus 925/1000 Silber bestanden? Sascha Weber und auch niemand sonst hat ihn bisher geführt. Bis zu dieser Klärung sind alle seine Schlussfolgerungen wertlose Makulatur. Der Artikel bzw. die Expertise erfüllt nicht einmal die formalen Voraussetzungen einer solchen Arbeit.
Den Beitrag beendet er mit der Erkenntnis: Aus Fehlern lernen! Zweifel an dieser Fähigkeit bestehen.[8] Zur Erinnerung ein Beispiel: In seinem Werk über „Die Auszeichnungen der Kriegsmarine“[9] findet sich über die Kriegsabzeichen mit Brillanten die bis heute unbewiesene und nicht widerrufene Behauptung, dass sie aus Buntmetall und nicht aus Silber bestanden.[10]


[1] Sascha Weber: Hilfskreuzer-Kriegsabzeichen – „Japan-Typ“. In: Orden und Ehrenzeichen, (15) Februar 2013, Nr. 83, S. 30-32.
[2] Erstmals publiziert in MILITARIA (2) Juli 1972, S. 90.
[3] a.a.O., S. 30
[4] a.a.O., S. 32
[5] Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren, in der Fassung vom 25. April 2007, BGBl. I, S. 594.
[6] Sascha Weber: Hilfskreuzer-Kriegsabzeichen – „Japan-Typ“. In: Orden und Ehrenzeichen, (15) Februar 2013, Nr. 83, S. 32.
[7] Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen, vom 26. Juli 1957, BGBl. I S. 844. Die nachfolgenden Ergänzungen/Änderungen sind für diese Fragestellung nicht relevant.

[8] Zu seiner Form von Lernprozeß und dem Umgang mit nachgewiesenen Fehlern vergleiche das Schreiben an die MILITARIA-Redaktion (Faksimileabdruck in Heft 5/2011, S. 196): … dass wir zukünftig keinerlei Reaktionen mehr auf die von Ihnen verfassten Ausführungen zeigen werden, …
[9] Sascha Weber & Gerhard R. Skora, Verlag Weber, o. O. (2010). Für diese Arbeit erheben sie wissenschaftlichen Anspruch […] unter Zugrundelegung aktueller Forschungsstände (sic), ohne eine einzige Primärquelle ausgewertet zu haben. Offensichtlich halten sie  die zeitgenössische Presse dafür.
[10] Klaus D. Patzwall: Neue Tatsachen zu den Kriegsabzeichen der Kriegsmarine mit Brillanten. In: MILITARIA, (34) 1/2011, S. 16 und 3/2011, S. 96. Alle bekannten Publikationen widerlegen die Tatsachenbehauptung von Weber. Es handelt sich um Realien mit einem Sammlerwert von je ca. 30.000.- €.

1. Nachtrag:
Gestern um 22.09 Uhr hat der OuE-Autor und Super Moderator im SDA/DGO-Forum vorstehenden Artikel als „Stürmer-Manier“ und „voller Hass“ abqualifiziert.
Inzwischen hat der SDA-Betreiber den Text entfernt, nachdem sich die Deutsche Gesellschaft für Ordenskunde von der verunglimpfenden Formulierung distanziert hat.

Bemerkung:
Geschichtlich nicht bewanderten Zeitgenossen sei erklärt, „Der Stürmer“ war im 3. Reich eine radikal-antisemitische Zeitung mit primitv-sexistischer Diktion.

2. Nachtrag:
Praktizierte Sachkritik bzw. Informationsfreiheit im WWW, wie sie Herr Sascha Weber versteht, hat offensichtlich dort seine Grenzen, wo in seinen Veröffentlichungen Fehler nachgewiesen  werden.  In seiner Eigenschaft als Betreiber des SDA / DGO-Forums, in dem ich nicht publiziert habe, hat er heute Abend (16. Februar 2013) veranlasst: Ihr Benutzeraccount wurde gesperrt.

3. Nachtrag:
Als Resultat der Anwendung von Rechtsmitteln hat sich Herr Sascha Weber verpflichtet – bei Vermeidung einer Zahlung von 10.000 € – seine Äußerungen vom 15.2.2013 nicht weiter zu verbreiten oder zu wiederholen. Am 8.4 2013 erläutert er im DGO-Forum seine Rechtsauffassung:  Aufgrund erwirkter Unterlassungserklärung durch einen Redakteur eines ordenskundlichen „Fach-Pressemagazins“ wurde dieses Posting zensiert!
Wir erinnern uns, Herr Weber wurde schon einmal „zensiert„. Er hatte öffentlich und widerrechtlich behauptet, Inhaber aller Verlagsrechte des Moritz Ruhl-Verlages zu sein.

Besucherzähler Homepage

Dieser Beitrag wurde unter Auszeichnungen 1919/45, Auszeichnungen Kriegsmarine abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Vorsicht Fälschung?

  1. bunker 123 sagt:

    Hallo ich hätte eine frage.Betrifft Hilfskreutzer-Kriegsabzeichen mit Stempel unter dem Nadelverschluß Sterling.Auf der Weltkugel sind keine Längen u. Breitengrade.Ich bekam diesen Auszeichnung von einem Herrn Burger der ebenfals in der Krieger und Soldatenkaeradschaft war und leider schon versorben ist.Ich schickte Fotos per Mail an Auktionshaus und wollte es verkaufen.Dann bekam ich eine Mail daß dieser Orden kein Orig.wäre.Warum sollte mir ein 80 jähriger Kriegsfeteran eine Kopie von diesem Orden geben.Er war selbst auf einem Zerstörer ob er den Orden sebst verliehen bekam kann ich nich sagen…….Wer kann mir weiterhelfen ob Orig oder nicht…..und was wäre hier der Sammlerwert.
    Im Voraus besten Dank Hans Bergmann

Schreibe einen Kommentar