Buchbesprechung: Die Ärmelbänder der Wehrmacht. Kreta – Afrika – Metz 1944 – Kurland.

o. O. 2015, Verlag Weber, ISBN 978-3-9816518-4-3, Festeinband, 195 S., mit zahlreichen farbigen Abbildungen illustriert, € 44,00

In seinem Nachwort äußert der Autor Sascha Weber die Befürchtung, „sicherlich wird es auch Kritisches oder Verbesserungswürdiges anzumerken geben. Besonders aus den Reihen der „alten“, schon immer da gewesenen Autorenkollegen.“ (S. 192) Recht hat er! Nach „jahrelanger intensiver Suche und Nachforschungen“ hat Sascha Weber zu diesem „doch recht komplexen Thema“ nicht nur herausgefunden, dass das „Ärmelband AFRIKA … in Form eines Bandes gestiftet wurde“ (S. 67), sondern auch den bedeutungsvollen Unterschied zwischen Ärmelband und Ärmelstreifen. (S. 6, 7) Der Auszeichnungscharakter der „Ärmelbänder“ sollte durch die Trageweise betont werden. Doch im NS-Reich war vieles nicht eindeutig. So wie eines der vier vorgestellten Bänder eine zweigeteilte Bedeutung hatte – Auszeichnung und Zugehörigkeitsabzeichen – so gab es bei Luftwaffe und Heer Einheits-Ärmelstreifen, die für Verdienste verliehen werden konnten (z. B. „Großdeutschland“ an Reichsminister Dr. Goebbels). Das zuletzt geschaffene Ärmelband für die Kämpfe in Schlesien 1945, wohl nur auf dem Papier existent, von Weber nicht erwähnt, sollte ebenfalls sowohl Auszeichnung als auch Traditionsabzeichen sein. Da die Kriegsmarine und die gesamten Partei-Gliederungen ihre Ärmelstreifen ebenfalls am linken Ärmel trugen, handelt es um keine charakteristische Besonderheit.

Besondere Aufmerksamkeit widmet er dem Umstand der Zuordnung des Ärmelbandes „Kreta“ zur Luftwaffe. (S. 21, 67, 192) „Erstaunlich“ findet es Weber, warum in zeitgenössischen Veröffentlichungen „Kreta“ und „Afrika“ „als Auszeichnung der Luftwaffe und nicht als Kampfabzeichen der Wehrmacht“ eingeordnet werden. Die Antwort ist einfach. Man beachte die Verordnung über den Schutz der Waffenabzeichen der Wehrmacht, die auch in verschiedenen Nachkriegsveröffentlichungen abgedruckt ist. Erst mit dieser von Hitler unterzeichneten VO erhielten die Waffenabzeichen den Status von Ehrenzeichen. In der entsprechenden Auflistung, nach Wehrmachtteilen gesplittet, waren die Ärmelbänder keine Wehrmachtsauszeichnungen, sondern für jeden Wehrmachtteil gelistet.

„Kreta“ wurde angeblich „in den ersten Monaten nach Einnahme der Insel durch Adolf Hitler gestiftet.“ (S. 14) Auf S. 16 wird die Einführung in der Marine mit den Worten „der Führer hat die Schaffung eines Ärmelbandes „Kreta“ als Kampfabzeichen genehmigt“, abgedruckt. Wie kann jemand glauben, der „Führer“ hätte durch eine VO sich selbst etwas genehmigt. Tatsächlich geht die Einführung auf den ersten Jahrestag der Eroberung Kretas zurück. Genauso falsch sind die Angaben zur Stiftung von „Afrika“. (S. 58, 62) An dieser Stelle muss die den Weber-Lesern vorenthaltene Bekanntmachung des Chefs der Präsidialkanzlei an die Obersten Reichsbehörden vom 16. Dezember 1942 erwähnt werden: „Der Führer hat die Schaffung der Ärmelbänder „Kreta“ und Afrika“ genehmigt“. Diese auf Wunsch Chef OKW erfolgte Bekanntmachung war notwendig, da auch zivile Behörden und die NSDAP davon betroffen waren.

Für den Autor ist der Unterschied zwischen Unterzeichnung einer VO und ihrer Veröffentlichung offensichtlich bedeutungslos und damit sind viele seiner Datumsangaben irreführend. So findet sich z. B. die Einführung von „Afrika“ nicht im MVBl. vom 29. Dezember 1942, sondern am 15.1.1943, bei der Luftwaffe muss es statt fälschlich 18. Januar 8. Februar 1943 heißen. (S. 64) Nicht erwähnt wird, dass die Bestimmungen bei der NSDAP zeitlich früher in den Mitteilungsblättern zu finden sind. Ein doppelt unrichtiges Datum ist der 31. Oktober 1944 als Endtermin für die Verleihungen, wovon z. B. Kriegsgefangene gemäß Weber ausdrücklich ausgenommen waren. (S. 18, 64) Im Gegenteil, bereits im September 1944 erging ein Befehl, an diesen Personenkreis ab sofort keine Auszeichnungen mehr zu verleihen (sic). Den auf S. 67 genannten Oberbefehlshaber der Luftfahrt gab es nie. Weiterhin behauptet Weber, bei der Luftwaffe durfte sogar ersatzweise der Ärmelstreifen „Afrika“ weiter getragen werden. (S. 67) Doch wer die Einführungsbestimmungen liest findet Erstaunliches: „Die bisher als Zugehörigkeitsabzeichen getragenen Ärmelstreifen „Afrika“ sind abzulegen und einzuziehen.“ (S. 67) Genau ein Jahr später wurde nochmals darauf hingewiesen, „es ist nicht zulässig, dem mit dem Ärmelband „Afrika“ Beliehenen den Ärmelstreifen „Afrika“ gegebenenfalls bis zur Lieferung des als Kampfabzeichen verliehenen Bandes zu ermöglich.

Solch eigenwilligen „Zitate“ finden sich mehrfach. Im Zusammenhang mit den „Kreta“-Bestimmungen werden aus den Allgemeinen Heeresmitteilungen (ohne die Datum- und Seitenangabe, von 1943) für die Einnahme von Kreta Schlacht- und Gefechtsbezeichnungen zitiert. Es wird der Eindruck erweckt, als wären sie Bestandteil der Verleihungsbestimmungen. Tatsächlich sind diese Angaben bereits 1941 im HVBl. erschienen. Zwei Jahre später hat man die Dienststellen darauf verwiesen, dass diese Schlachtbezeichnungen für die Bearbeitung von Verleihungsanträgen nicht geeignet sind (!).

In der korrekten Anwendung phaleristischer Begriffe bestehen Defizite. Soldaten, die die Bedingungen erfüllten waren nicht „verleihungsberechtigt“, sondern das war die Verleihungsdienststelle. Und die Wortschöpfung „Tragung“ ist dem Duden noch nicht geläufig. Weber selber erkennt Fehler, die andere nicht sehen. Zum Band „Kreta“ ist ihm zur Schreibweise „Palmetten“ von Jörg Nimmergut zur zeitgenössischen Schreibweise „Palmitten“ in der Zeitschrift „Uniformen-Markt“ aufgefallen. Als Beleg zeigt er einen „Uniformen-Markt“-Ausschnitt. Und was steht dort? „Palmetten“!

Die Masse seiner Käufe dürfte sich vermutlich nur für die Farbbilder interessieren. Einige der abgebildeten Exemplare erscheinen zweifelhaft. Aber ohne sie in der Hand gehabt zu haben würde die Auseinandersetzung über ihre Einschätzung den Rahmen dieses Textes sprengen. Beim Typ 6 „hat sich der überwiegende Teil der Sammlerschaft für ein zeitgenössisches Original“ ausgesprochen. Das klingt so ähnlich wie „Millionen Fliegen können sich nicht irren …“. „Es soll sich um inoffizielle beschaffte Stücke für die Kriegsmarine handeln.“ So eine Behauptung kann nur von jemand erhoben werden, der sich nie mit der Beschaffung oder Fragen des Nachschubs befasst hat, oder aber heute mit Ärmelstreifen handelt. (S. 52)

Ähnlich verhält es sich mit dem Typ 5. „Vermutlich für Offiziere hergestellt und konnte über das Heeresbeschaffungsamt Berlin bezogen werden“. (S. 48) Diese Aussage ist ebenso abenteuerlich wie die Vermutung beim Typ 7, „wohl für die Südfront- bzw. Tropenuniform gefertigt.“ (S. 98, 108) Mit solch abstrusen Erklärungen könnte man vom „Kreta“-Band behaupten, es würde nur zur weißen Sommeruniform getragen. Immer wieder gern verwendet ist die angebliche „Ausführung für Offiziere“, Typ 11. (S. 110)

In diesem Zusammenhang fällt auf daß die Ausführung von „Afrika“ in gelber Seide bzw. goldener Kantille auf blauem Tuch in diesem Werk fehlt. Obwohl es hierzu vor Jahrzehnten nicht nur einen Beitrag in MILITARIA gab, sondern auch zwei Artikel in der Zeitschrift des BDOS. Ob in dieser oberflächlichen Arbeitsweise eine Erklärung für den vom Autor erkannten Wissensvorsprung der „alten“, schon immer dagewesenen Autoren“ zu finden ist? (S. 192)

Bislang nicht publiziert und darum interessant ist das Bild von der Verleihung des „Metz 1944“. Aber auch zu diesem Band fällt Fragwürdiges auf. Als erstmalige Veröffentlichung wird eine Zeichnung, die aber tatsächlich ein Foto ist, in einer Buchveröffentlichung von 1958 genannt. Weber bezieht sich auf diese Abbildung und schreibt, dass sie „unter anderem vom Bundesministerium des Innern und diverser Autoren für jeweils „originale“ Ausführungen angesehen werden.“ (S. 132) Und weiter: „Den Autoren des Buches lag damals jedoch kein Originalband vor.“ Tatsächlich ist das Bild nach dem Muster des Bundesministeriums des Innern entstanden.

Zu kaum einen Ärmelband sind so viele Details durch die Literatur bekannt, wie beim „Kurland“. Doch sucht man daraus etliche Fakten hier vergebens. Über die Möglichkeiten des Siebdrucks an der Kurlandfront hat er sich offensichtlich keine Gedanken gemacht. Das Besitzzeugnis auf S. 175 erfüllt keine formalen Voraussetzungen. Außerdem, die Pz.Abw.Abt. 196 war nicht im Kessel von Kurland, sondern befand sich 1945 in Ungarn und Österreich. Detaillierte phaleristische Forschung? Fehlanzeige. Die Zahl der Farbfotos allein ist das Maß aller Dinge.

Das Kapitel über Fälschungen ist bescheiden ausgefallen, nur vier offensichtliche Vertreter dieser Spezies werden vorgestellt. „Die große Anzahl an ungetragenen Ärmelbändern“ wird damit erklärt, dass es in den 50-er Jahren noch originale Bestände gegeben haben soll. Diese Einschätzung passt nicht zu den großen Lieferschwierigkeiten während des Krieges. Eine andere Erklärung wäre naheliegender. Dass Nachkriegsfertigungen leicht von Originalen zu unterscheiden sind, kann so pauschal nicht bestätigt werden. Auf der S. 185 sind Faksimiles von drei Anzeigen bekannter Ordenshersteller. „Aus dem Soldatenkalender von 1958“, so der Herkunftsnachweis. Auf einer Anzeige gibt die Firma ihr Alter mit 75, im Soldatenkalender jedoch mit 70 Jahren an. Und die beiden anderen Anzeigen sucht der Leser in der angeblichen Quelle vergebens. Kann man ein Werk mit solchen Fehlleistungen als „verlässliche Stütze“ bzw. „wertvolles Werk“ (S. 192) weiterempfehlen, wie es sein Autor den Lesern rät?

Aus: MILITARIA Heft 2/2016

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Ein Kommentar zu Buchbesprechung: Die Ärmelbänder der Wehrmacht. Kreta – Afrika – Metz 1944 – Kurland.

  1. Sandro Schmocker sagt:

    Schon durch frühere Veröffentlichungen verunsichert…. Sehe ich hier mal wieder, wieso ich mein Geld lieber in andere Fachliteratur stecke.

    Die Bildung kommt nicht vom Lesen, sondern vom Nachdenken über das Gelesene.
    Carl Hilty

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